Soziale Pflegeversicherung
Angehörigen-Pflege: Fehlende Vereinbarkeit mit dem Job gefährdet mehr als 200.000 Vollzeitstellen
In knapp 20 Jahren werden gut 13 Prozent der Bevölkerung im Erwerbsalter Angehörige pflegen. Ohne bessere Vereinbarkeit von Pflege und Beruf steige der Verlust an Erwerbsvolumen damit um ein Viertel an, heißt es in einer neuen Studie.
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Informelle Pflege: Frauen stellen derzeit mit zwei Dritteln den größten Anteil.
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Berlin. Aufgrund fehlender Vereinbarkeit von Pflege und Beruf könnten im Jahr 2045 mehr als 200.000 Vollzeitstellen in Gefahr sein. Das geht aus einer aktuellen Vorausberechnung der Bertelsmann Stiftung und des Beratungsunternehmens Prognos hervor.
Demnach werden in knapp 20 Jahren rund 13,3 Prozent der Bevölkerung, vor allem Frauen, im Erwerbsalter ein Familienmitglied pflegen. Im Jahr 2023 waren es 8,7 Prozent. Aktuell sind mehr als sechs Millionen Menschen in Deutschland pflegebedürftig – vier von fünf Pflegebedürftigen werden zuhause betreut.
Pflegeneuordnungsgesetz
Gesundheitsminister Linnemann: Die Pflege muss fit für die 30er-Jahre werden
Mit der Zunahme der informellen Pflege wachse auch die Herausforderung, die familäre Pflegeaufgabe mit dem Beruf zu vereinbaren, schreibt die Bertelsmann Stiftung. Da vor allem Frauen ihre Erwerbstätigkeit für die Pflege einschränkten oder sogar aufgeben würden, verlören sie berufliche Perspektiven – „und der Arbeitsmarkt dringend benötigte Fachkräfte“, so Michaela Hermann, Arbeitsmarktexpertin der Stiftung.
Der demografische Wandel mache es umso wichtiger, „pflegende Angehörige zu unterstützen, statt ihre berufliche Teilhabe aufs Spiel zu setzen“. Diese Gruppe besser zu unterstützen, sei auch eine Aufgabe der Unternehmen“. Informell Pflegende bräuchten etwa verlässliche Absprachen darüber, wie sich Arbeitszeiten mit ihrer persönlichen Situation besser vereinbaren ließen.
„Das trübt die Wachstumsaussichten“
Für das Jahr 2026 beziffert die Analyse die mit der Angehörigen-Pflege verbundenen Einschränkungen der Erwerbstätigkeit auf rechnerisch 184.000 Vollzeitstellen. Bis zum Jahr 2045 könnte dieser Wert auf 229.000 steigen. Das entspräche einem Zuwachs von knapp 25 Prozent.
„Wenn sich an der Situation informell Pflegender nichts ändert, wird die gesellschaftliche Alterung dem Arbeitsmarkt in den nächsten 20 Jahren immer mehr Erwerbspotenzial entziehen – gerade dann, wenn jede Arbeitskraft dringend gebraucht wird. Das hemmt die berufliche Entwicklung der Betroffenen und trübt die Wachstumsaussichten“, warnte Eric Thode, Arbeitsmarktexperte der Bertelsmann Stiftung.
Soziale Pflegeversicherung
Große Reform als Ziel: Bundeskabinett setzt Pflegestrukturkommission ein
Die Bundesregierung bereitet derzeit eine erste Pflegereform für 2027 vor. Der Gesetzentwurf für ein Pflegeneuordnungsgesetz sieht unter anderem einen neuen Anspruch auf fachliche Pflegebegleitung vor. Diese soll Pflegebedürftige und ihre Angehörigen frühzeitig unterstützen, die Versorgung zuhause verbessern und helfen, die Selbstständigkeit möglichst lange zu erhalten.
Eine kürzlich eingesetzte Pflegestrukturkommission soll bis Ende Januar Vorschläge für größere strukturelle Umbauten im System der sozialen Pflegeversicherung vorlegen. Die Stärkung häuslicher Pflege bildet einen Schwerpunkt. (hom)





