Berufspolitik

Bedarfsplanung -  die Kreisebene ist zu groß

Eine kleinteiligere Bedarfsplanung ist nötig, wird oft behauptet. Eine Demografiestudie in Sachsen zeigt, dass es starke Unterschiede in den Gemeinden gibt, die nicht verallgemeinert werden können.

Von Thomas Trappe Veröffentlicht:
Nur genaues Beobachten der Zu- und Abwanderung in Dörfern und Städten liefert eine sichere Planungsbasis.

Nur genaues Beobachten der Zu- und Abwanderung in Dörfern und Städten liefert eine sichere Planungsbasis.

© Koch / imago

DRESDEN. Der Vorstandsvorsitzende der KV Sachsen, Klaus Heckemann, sieht sich durch eine Demografiestudie des sächsischen Amtes für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (LfULG) in seiner Forderung nach einer kleinteiligeren Ärztebedarfsplanung bestätigt.

Die Behörde hat nicht nur konstante Abwanderungsverluste festgestellt, sondern dabei auch "starke kleinräumige Unterschiede". Das bestätige die KV-Auffassung, dass eine Bedarfsplanung auf Kreisebene nicht funktioniere, so Heckemann. "Es muss das Prinzip gelten: Eine Zulassung für einen Arztsitz." Eine Praxis könne dann zwar noch auf die andere Straßenseite ziehen, so Heckemann, aber nicht ins nächste Dorf.

Die LfULG-Studie untersuchte das Wanderungs- und Umzugsverhalten in den sächsischen Gemeinden Stolpen, Mügeln, Oederan und Kirchberg. Die Vermutung, dass Kernstädte stärker als Dörfer von Abwanderungsverlusten betroffen sind, bestätigte sich dabei nur in Kirchberg und Oederan - "und kann nicht verallgemeinert werden". Dennoch zeigten die Wanderungsmuster typische Unterschiede. Beispielsweise ziehen ältere Menschen nur selten in dörfliche Ortsteile. Kernstädte haben dagegen eine große Anziehungskraft für Senioren.

So ist beispielsweise in der Kernstadt von Mügeln jeder fünfte neu Zugezogene 60 Jahre oder älter. Auffällig ist ein hoher Anteil an Hochbetagten. Die dörflichen Ortsteile ziehen dagegen jüngere Zuwanderer an. Dort überschreitet das mittlere Zuwanderungsalter in keiner der untersuchten Gemeinden die 30 Jahre. KV-Vorstandschef Heckemann will das aber nicht "überbewertet" wissen. So sei der Zuzug auf die Dörfer in Sachsen eher zu vernachlässigen, auf eine Verjüngung sächsischer Dörfer ließen die Zahlen deswegen kaum schließen. Ebenfalls charakteristisch ist, so das LfULG, "dass geringe räumliche Distanzen zu den Herkunftsgebieten und ein gewisser persönlicher Bezug das Zuwanderungsgeschehen beeinflussen".

So kommen 80 bis 90 Prozent aller Zuwanderer in den Untersuchungsgemeinden aus Sachsen. Mehr als fünfzig Prozent stammen aus den Nachbargemeinden oder anderen Gemeinden des eigenen Landkreises. Dabei scheint auch ein biografischer Bezug für viele Menschen eine Rolle zu spielen. Zwischen 16 und 22 Prozent aller dieser Zuwanderer waren zu einem früheren Zeitpunkt ihres Lebens bereits in der Zuzugsgemeinde gemeldet.

Ralph Schreiber, Sprecher des Sächsischen Sozialministerium, erklärte, dass der Freistaat die Forderung der KV unterstütze, die demografische Entwicklung in der Bedarfsplanung zu berücksichtigen. Er verwies darauf, dass das Land kein Mitbestimmungsrecht dabei habe. Er lobte in diesem Zusammenhang die Arbeit des Landesausschusses, der bereits im Oktober in mehreren Regionen lokalen Versorgungsbedarf auf Grund der demografischen Entwicklung festgestellt habe.

Der Studie der Behörde liegen die Melderegisterdaten der vier Stadtgemeinden zugrunde. Ausgewertet wurde die Anzahl der An-, Ab- und Ummeldungen in den Jahren 1999 bis 2008 nach Alter, Geschlecht, Herkunfts- und Zielregion. Dabei wurde zwischen Kernstädten und dörflichen Ortsteilen unterschieden. Die Untersuchungsergebnisse sollen helfen, Pläne und Handlungskonzepte für Städte und Dörfer im demografischen Wandel besser zu gestalten.

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