Untersuchung des Zi
Bereitschaftsdienst und Notaufnahmen versorgen fast gleich viele Patienten
Seit 2015 ist die Zahl der Patienten im Bereitschaftsdienst um rund neun Prozent gesunken, Notaufnahmen verzeichnen mehr Fälle. Regional sind die Trends sehr unterschiedlich. Ein Grund könnten Lücken in der Statistik sein.
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Bereitschaftsdienst oder Notaufnahme? Welche Versorgungsstruktur Patienten aufsuchen, ist offenbar stark von regionalen Faktoren beeinflusst.
© Bernd Weißbrod/dpa/picture alliance
Berlin. Die Fallzahlen im Bereitschaftsdienst der Kassenärztlichen Vereinigungen sind zwischen 2015 und 2024 um etwa vier Prozent gesunken.
Wurden im Jahr 2015 noch 53,6 Prozent der ambulanten Notfälle durch den Ärztlichen Bereitschaftsdienst (ÄBD) versorgt, so waren es 2024 nur noch 50,6 Prozent. Das geht aus einer Untersuchung des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung (Zi) hervor.
Die Zahlen verdeutlichten die unverändert große Bedeutung des ÄBD für die Sicherstellung der ambulanten Notfallversorgung jenseits der Öffnungszeiten der Praxen, erklärte das Zi am Donnerstag.
Die Zahl der im Bereitschaftsdienst versorgten Patienten ist in diesem Zeitraum um 9,2 Prozent auf 6,5 Millionen gesunken. In Notaufnahmen der Kliniken ist dagegen eine Zunahme um 300.000 auf ebenfalls 6,5 Millionen Fälle festzustellen.
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Für den Bereitschaftsdienst hat das Zi ein „stabiles Ost-West-Gefälle“ festgestellt – in West- und Süddeutschland wurden dort anteilig mehr Patienten versorgt als im Osten Deutschlands. Dagegen falle die Inanspruchnahme von Notaufnahmen bundesweit heterogen aus, heißt es.
Laut Studie weisen Hamburg, Berlin, Nordrhein-Westfalen (32 von 53 Kreisen), Rheinland-Pfalz (23 von 36) und Brandenburg (18 von 18) überdurchschnittliche Quoten der Inanspruchnahme der Notaufnahmen und eine unterdurchschnittliche Frequenz der Besuche des ÄBD auf.
Gründe für die regionalen Unterschiede
In den meisten Kreisen von Baden-Württemberg (17 von 44), Schleswig-Holstein (9 von 15), Mecklenburg-Vorpommern (7 von 8), Sachsen-Anhalt (9 von 14), Sachsen (8 von 13) und Niedersachsen (19 von 45) werden hingegen beide Versorgungsebenen – ÄBD und Notaufnahmen – unterdurchschnittlich häufig aufgesucht.
Diese regionalen Differenzen können nach Angaben des Zi beispielsweise auf unterschiedliche Versorgungsangebote, die Bekanntheit alternativer Anlaufstellen wie der Rufnummer 116117 oder auf Unterschiede in Gesundheitskompetenz und Patientensouveränität zurückzuführen sein.
Auch bei der Entwicklung seit der Corona-Pandemie zeigen sich unterschiedliche Trends: Nach dem Einbruch der Fallzahlen während der Pandemie habe die Nachfrage nach einer Versorgung in Notaufnahmen 2024 fast wieder vorpandemisches Niveau erreicht.
Weniger Infektionserkrankungen
Im ÄBD hingegen gingen die Fallzahlen nach einem Anstieg 2023 (6,4 Prozent) im Jahr 2024 wieder leicht zurück (- 0,7 Prozent). Ein Grund dafür könnte die geringere Prävalenz von Infektionserkrankungen sein – diese Patienten werden in der Regel im Bereitschaftsdienst behandelt.
Die Autoren weisen indes darauf hin, dass die Analyse von Abrechnungsdaten die sich verändernden Versorgungsstrukturen nicht mehr vollständig abbilden kann.
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Das betreffe insbesondere telemedizinische Leistungen im ÄBD, die in Teilen nicht mehr über den EBM abgerechnet, sondern über die einzelnen KVen finanziert würden. Diese fänden sich dann auch nicht mehr in den Abrechnungsdaten wieder, heißt es zur Erläuterung.
„Unsere Analyse unterstreicht die Notwendigkeit, die Notfallversorgung in Deutschland regional zu betrachten und regional differenziert weiterzuentwickeln“, erläuterte der Zi-Vorstandsvorsitzende Dr. Dominik von Stillfried. (fst)









