Delegation
Darum beschäftigt Hausarzt Mark Weinhonig eine Physician Assistant
Mark Weinhonig hat als einziger Hausarzt in Schleswig-Holstein eine Physician Assistant angestellt. Diese sorgt in der Praxis für enorme Entlastung – auch wenn ihre Anstellung finanziell ein Nullsummenspiel sei.
Veröffentlicht:
Für Hausarzt Mark Weinhonig ist seine PA eine deutliche Entlastung.
© Kathrin Handschuh
„Ein hausärztliches Leben ohne PA ist möglich, aber sinnlos“. Mit diesem Zitat in Anlehnung an den Komiker Loriot eröffnete Hausarzt Mark Weinhonig seinen Vortrag beim DGIM-Kongress in Wiesbaden.
Der Mediziner hat sich vor rund 20 Jahren im nordfriesischen Niebüll niedergelassenen und ist nach eigener Aussage der einzige Hausarzt in Schleswig-Holstein, der eine Physician Assistant beschäftigt. Bei dieser handelt es sich um seine ehemalige Auszubildende Inga Raths, die seit 2017 bei ihm angestellt ist.
Die MFA habe sich schon von Beginn an äußerst wissbegierig und interessiert gezeigt, betonte er. Daher beschloss Weinhonig, Inga Raths bei ihrem Bachelor-Studium zur Physician Assistant in Heide zu unterstützen und ihr die akademische Ausbildung zu finanzieren. Praktischerweise war das Studium berufsbegleitend angelegt: „Auf diese Weise konnte ich eins zu eins sehen, was sie lernt“, sagt er.
Um diesen Studiengang absolvieren zu können, ist eine Vorausbildung in einem Gesundheitsberuf notwendig, diese brachte sie als Medizinische Fachangestellte bereits mit. Nun will die 44-Jährige noch den Master oben drauf satteln, der Studiengang im Bereich ambulante Medizin startet im Oktober.
Volle Vergütung, klare Aufgaben, Berufsgesetz
Physician Assistance stärken: KV Nordrhein legt Positionspapier mit Forderungen vor
PA entlastet die Ärzte
Hausarzt Weinhonig versorgt gemeinsam mit einer angestellten Ärztin in seiner Praxis in der Nähe der dänischen Grenze rund 3.000 Patienten im Quartal, und das in einem Ort mit gerade einmal 10.000 Einwohnern. Machbar ist das nur, weil die PA den Ärzten viele Tätigkeiten abnimmt.
Der Hausarzt hat die Erfahrung gemacht, dass viele seiner Kolleginnen und Kollegen nicht wüssten, wie genau eine PA sie entlasten könne. Die gängige Meinung lautet zumeist: Es gibt neben Medizinischen Fachangestellten ja auch schon VERAHs und NäPAs, an die sich bestimmte Tätigkeiten delegieren ließen. Wozu brauche ich dann noch eine Physician Assistant? Auch beim DGIM-Vortrag in Wiesbaden kamen solche Fragen aus dem Auditorium.
Leser-Umfrage der Ärzte Zeitung
Ein Drittel kann sich Physician Assistants in der Praxis vorstellen
Um zu erläutert, wie stark er von seiner PA profitiere, berichtete Weinhonig aus dem Praxisalltag: Inga Raths arbeitet intensiv am Patienten, ihr besonderes Spezialgebiet ist die Wundversorgung. „Sie behandelt im Prinzip vor und filtert die Anamnese“, erläuterte der Mediziner. Beispielhaft seien hier die Infektsprechstunden während der Corona-Pandemie genannt. Außerdem bereitet sie Arztbriefe und Patientengespräche vor.
Für Weinhonig gilt uneingeschränkt: „Wir sind ein Team.“ Komplett alleine arbeiten würde Raths selbstverständlich nicht. Alles, was das Haus verlasse wie Überweisungen, Einweisungen ins Krankenhaus oder Verordnungen gehe über seinen Schreibtisch.
Die Liste der Aufgaben ist lang
Dennoch ist die Liste ihrer Tätigkeiten lang: So setzt sie sich beispielsweise mit den geriatrischen Patienten unter Polymedikation hin und geht den Medikationsplan durch, schaut nach Doppeldiagnosen. „Dafür habe ich im Alltag keine Zeit“, betont Weinhonig.
Ebenso wie auch für Besuche in Seniorenheimen, die sich durch die akademisch ausgebildete Fachkraft viel besser organisieren ließen. Raths schreibt von dort aus beispielsweise ein EKG, das sich Weinhonig in der Praxis per Videotelefonie anschaut.
MFA könnten diese Aufgaben nicht übernehmen, betont der Arzt, dafür müssten sie über ein fundiertes medizinisches Wissen verfügen. Bis zum Mai diesen Jahres gehörte zu der Niebüller Praxis noch ein zweiter Standort. Auch dies sei nur möglich gewesen mit Unterstützung seiner Physician Assistant.
Finanziell ein Nullsummenspiel
Finanziell betracht sei die Anstellung einer Physician Assistent allerdings die große Null, betonte Weinhonig, schließlich gebe es keine EBM-Ziffer, die man ansetzen könnte - im Gegensatz zu beispielsweise NäPAs, für die man richtig Geld bekomme. „Es ist mein Privatvergnügen“. Aber: Durch ihre Unterstützung hätten die beiden Ärzte die Zeit für mehr Patienten.
Weinhonig bedauert, dass das Modell von der Ärzteschaft so wenig akzeptiert werde. Viele seiner Kolleginnen und Kollegen sähen PA als Konkurrenz und nicht als Entlastung - besonders bei Tätigkeiten, die sonst nicht delegierbar wären. Sein Fazit: „Ich würde immer wieder diesen Weg gehen. Keine andere medizinische Maßnahme hat mein Leben so sehr verändert.“
Auch PA Inga Raths ist mit ihrem eingeschlagenen Karriereweg zufrieden. „Ich bin froh, dass ich den Mut hatte für diesen Schritt“, berichtet sie im Gespräch mit der Ärzte Zeitung. Zwar habe ihr die Arbeit in der Praxis auch schon als MFA Spaß gemacht, der Studienabschluss zur PA ermögliche aber deutlich mehr Verantwortung und viele neue Aufgaben.










