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Medikamente

BfArM-Chef befürchtet dramatische Lieferengpässe

Auf die Sicherstellung der Versorgung mit essenziellen Arzneien haben nationale Behörden nur bedingt Einfluss – Lieferengpässe könnten dramatisch werden.

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NEU-ISENBURG. Vor zunehmenden Lieferengpässen und Produktionsausfällen bei essenziellen Arzneimitteln hat der Präsident des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM), Professor Karl Broich, in einem Interview des "Handelsblatts" gewarnt. "Es wird ein Fall kommen, der dramatisch wird", sagte Broich.

Derzeit sind beim BfArM 20 Arzneimittel gelistet, die gegenwärtig nicht geliefert werden können. Jüngst war über einen Zeitraum von fünf Wochen das Onkologikum Melphalan nicht lieferbar.

Der Anbieter ist Monopolist, das Arzneimittel ist unersetzlich. Therapien mussten verschoben werden. Im Fall des Antibiotikums Ampicillin/Sulbactam müssen Ärzte auf Reserveantibiotika ausweichen mit dem Risiko, Antibiotikaresistenzen zu begünstigen.

"Meisten Mittel werden nicht mehr in Deutschland produziert"

Betroffen seien meist generische Produkte, häufig Injektionen mit hohe Anforderungen an die Produktion, so Broich. In der Branche gebe es einen Konzentrationsprozess und den Trend, dass einzelne Medikamente von immer weniger Herstellern produziert werden.

Zudem seien die Produktionen ins preisgünstigere Ausland wie etwa nach China verlagert worden, wo nicht mehr so engmaschig wie in Europa kontrolliert werden könne. Man versuche aber, die Inspektionen auszubauen.

Faktisch ist den Arzneimittelinstitutionen der Einfluss weitgehend entglitten, gesteht Broich ein: "Die meisten Mittel werden nicht mehr in Deutschland produziert. Aber selbst wenn es nur einen Anbieter für einen Wirkstoff gibt, wäre es eben wichtig, dass er ihn an zwei Standorten produziert. Bei Problemen in einer Anlage wäre dann die Liefersicherheit durch die zweite Anlage gewährleistet."

Aber das könne man einem Hersteller nicht vorschreiben.

Behelfsmäßig wird derzeit eine Liste essenzieller Arzneimittel erstellt, die die dann Bevorratungspflichten bei Herstellern oder Großhändlern vorgeschrieben werden sollten.

Notwendig sei es aber auch, eine Anreizstruktur für die Hersteller zu schaffen, damit auch selten benötigte Arzneimittel produziert oder neue Antibiotika entwickelt werden, sagte Broich. (HL)

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