Pilotprojekt

Chinesinnen herzlich willkommen!

Ausgebildet wird soviel wie nie, doch trotzdem ist es immer schwerer, Pflegefachkräfte zu finden - nicht nur in Deutschland, sondern auch im europäischen Ausland. Die Arbeitgeber in der Pflege haben deshalb ihre Fühler nach China ausgestreckt.

Christiane BadenbergVon Christiane Badenberg Veröffentlicht:
Diese vier jungen Chinesinnen arbeiten gemeinsam mit einer weiteren Kollegin in einem Frankfurter Pflegeheim.

Diese vier jungen Chinesinnen arbeiten gemeinsam mit einer weiteren Kollegin in einem Frankfurter Pflegeheim.

© Daniel Reinhardt / dpa

FRANKFURT/MAIN. Weite Wege müssen deutsche Arbeitgeber zurücklegen, um genügend Pflegefachkräfte zu finden. Manchmal führen sie diese gar bis China. Im Fall der fünf chinesischen jungen Frauen, die seit einigen Tagen im Curanum Seniorenpflegezentrum "Am Wasserpark" in Frankfurt am Main arbeiten, könnte sich der weite Weg gelohnt haben.

Um die 27 Jahre alte Zhihong Qin und ihre vier Kolleginnen im Alter zwischen 25 und 33 nach Deutschland zu holen, haben die Personalleiterin der Curanum AG, Elke Bachmann-Görl, viel Zeit und ihr Arbeitgeber viel Geld investiert.

Elke Bachmann-Görl ist im vergangenen Jahr nach China geflogen und hat viele Auswahlgespräche geführt. "Das wäre auch per Skype gegangen, aber ich wollte mir ein persönliches Bild von den Bewerbern machen. Mir ging es um die Motivation der Leute, warum wollen sie nach Deutschland kommen? Und wie ist ihre familiäre Situation", erzählte Bachmann-Görl am Donnerstag in Frankfurt.

Was sie dort gesehen hat, begeisterte die Personalchefin. Alle Bewerber hatten deutsche Sprachkenntnisse, die dem B-1 Level des Goethe-Instituts entsprechen. Das heißt, eine Verständigung auf deutsch war gut möglich, "und wenn es nicht mehr weiterging, konnte problemlos ins Englische gewechselt werden", sagt Bachmann-Görl.

Das sei bei vielen Gesprächen mit Bewerbern aus dem europäischen Ausland so nicht möglich. Und auch die fachliche Qualifikation habe sie beeindruckt. Die fünf Chinesinnen, die jetzt in Frankfurt arbeiten, können einen Bachelor-Abschluss in Krankenpflege sowie ein einjähriges Pflegepraktikum in China vorweisen.

"Dafür habe ich nicht studiert"

Ebenso ihre 145 Landsleute, die ihnen bis zum Jahresende im Rahmen eines Pilotprojekts des Arbeitgeberverbands Pflege noch nach Deutschland folgen sollen.

Die sehr gute Ausbildung erweist sich beim Pilotprojekt als Segen, könnte aber auch noch zum Fluch werden. Einerseits erleichtert die hohe Qualifikation eine Anerkennung der Zeugnisse, so dass die Chinesinnen schon bald als Pflegefachkräfte angestellt werden können, hoffen die Arbeitgeber.

Das ist wichtig, weil deutsche Pflegeheime eine Fachkräftequote von 50 Prozent erfüllen müssen. "Das ist vor allem in Ballungsgebieten kaum noch zu schaffen", sagt Thomas Greiner, Präsident des Arbeitgeberverbands Pflege. Deshalb würden mancherorts schon gar keine neuen Pflegeheime mehr gebaut.

Andererseits berichtet Zhihong Qin im Gespräch mit der "Ärzte Zeitung": "Hier muss ich die Patienten jeden Tag waschen, das haben in China Helferinnen gemacht."

Sie hofft, dass sich ihr Aufgabengebiet vergrößern wird, wenn alle Zeugnisse anerkannt sind und sie als Pflegefachkraft eingesetzt werden darf. Bis dahin sind die jungen Chinesinnen als Pflegehelferinnen eingestellt.

Aber genau dieses Problem hat viele spanische Pflegekräfte Deutschland wieder den Rücken kehren lassen. Als sie auch die Grundpflege der Patienten übernehmen sollten, kam häufig der Satz: Dafür habe ich nicht studiert, berichtet Greiner.

"Aber wir brauchen auch Indianer, die am Bett arbeiten können", so Bachmann-Görl. Sie hofft, dass es mit den Chinesinnen besser läuft.

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