GKV

Das Polster bleibt dick

Die Reserven der gesetzlichen Krankenversicherung schmelzen, zeigen neue Zahlen. Die Krankenkassen notieren einen Milliardenverlust.

Von Helmut LaschetHelmut Laschet Veröffentlicht: 08.03.2016, 05:03 Uhr

BERLIN. Die Gesamtreserven der Krankenkassen und des Gesundheitsfonds sind 2015 von 28 auf 24,5 Milliarden Euro gesunken. Das zeigen die neuen KV45-Zahlen des Gesundheitsministeriums.

Ursächlich für den Rückgang ist, dass der Bund - vorübergehend - seinen Steuerzuschuss an den Fonds um 2,5 Milliarden Euro gekürzt hat.

Bei den Krankenkassen fiel insgesamt ein Defizit von 1,14 Milliarden Euro an, sodass deren konsolidierte Finanzreserven auf 14,5 Milliarden Euro gesunken sind.

Ursächlich dafür sei, so Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe, dass die Versicherten bei den Zusatzbeiträgen im vergangenen Jahr um 900 Millionen Euro entlastet worden seien.

Seine Bewertung des Finanzergebnisses: "Mit Reserven von 24,5 Milliarden Euro steht die GKV weiter auf einer stabilen Grundlage."

Differenzierung nach Kassenarten

Insgesamt wuchsen die Einnahmen der Krankenkassen um 3,8 Prozent auf knapp 206,2 Milliarden Euro. 184,6 Milliarden Euro, die aus allgemeinen Beitragssatz von 14,6 Prozent resultieren, fließen in den Gesundheitsfonds und dann zusammen mit dem Bundeszuschuss von knapp 11,4 Milliarden Euro nach Umverteilung durch den Morbi-RSA an die Krankenkassen zurück. Hinzukommen die Zusatzbeiträge.

Bei einer Differenzierung nach Kassenarten zeigt sich allerdings eine disparate Entwicklung:

- Mit 6,4 Milliarden Euro und einem Überschuss von noch neun Millionen Euro steht vor allem das AOK-System auf einem sicheren Fundament.

- Die Ersatzkassen verfügen zwar noch über eine Reserve von 4,3 Milliarden Euro - unterschiedlich auf die Einzelkassen verteilt -, mussten aber ein Defizit von 532 Millionen Euro verbuchen.

- Bei den Betriebskrankenkassen fiel ein Defizit von 287 Millionen Euro an, die Reserven schrumpften auf 2,1 Milliarden Euro.

- Bei den Innungskrankenkassen, die ein Defizit von 346 Millionen Euro verkraften mussten, sanken die Finanzreserven auf nunmehr 1,1 Milliarden Euro am deutlichsten.

Wenige Ausgabenzuwachs je Versicherten

Die Ausgaben der Krankenkassen stiegen im vergangenen Jahr insgesamt um 4,5 Prozent auf 208,62 Milliarden Euro - bei Einnahmen in Höhe von 206,17 Milliarden Euro.

Je Versicherten belief sich der Ausgabenzuwachs auf 3,7 Prozent nach 5,2 Prozent im Vorjahr. Maßgeblich zu diesem Rückgang hat die Normalisierung der Ausgabenentwicklung für Arzneimittel beigetragen; der Zuwachs liegt nunmehr bei 3,9 Prozent oder 1,7 Milliarden Euro.

Auffällig seien die hohen Ausgaben für im Herbst 2014 neu zugelassene Arzneimittel zur Behandlung von Hepatitis C, für die im vergangenen Jahr 1,3 Milliarden Euro ausgegeben wurden.

Andererseits seien die Krankenkassen durch Rabattvereinbarungen mit der Industrie entlastet worden: Das Rabattvolumen erhöhte sich um 460 Millionen Euro auf rund 3,61 Milliarden Euro. Im Jahresverlauf habe sich der Ausgabenzuwachs bei der Arzneimittelversorgung weiter verlangsamt.

Für ambulante ärztliche Behandlung gaben die Krankenkassen im vergangenen Jahr gut 39 Milliarden Euro aus, das ist ein Zuwachs von 1,6 Milliarden Euro oder 3,9 Prozent je Versicherten. Das Ausgabenniveau für Ärzte liegt damit um gut zwei MilliardenEuro über dem für Arzneimittel.

Zu wenig für Prävention

Die Ausgaben für Präventionsleistungen nach den Paragrafen 20 ff. SGB V stiegen um acht Prozent je Versicherten, darunter Ausgaben für betriebliche Gesundheitsförderung um 15 Prozent und Prävention in nichtbetrieblichen Lebenswelten um 16 Prozent.

Trotz zweistelligen Wachstums blieben aber die Anstrengungen zur Gesundheitsförderung "weit hinter dem finanziellen Engagement zurück, das für die Stärkung der Prävention erforderlich ist", kritisiert das Bundesgesundheitsministerium.

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