Palliativmedizin

Diakonie lehnt organisierte Sterbehilfe klar ab

Diakonie-Präsident wirbt für flächendeckenden Ausbau der Palliativmedizin und mehr Hospize.

Veröffentlicht: 23.12.2014, 08:31 Uhr

FRANKFURT/MAIN. In der aktuellen Debatte um Sterbehilfe und die Selbstbestimmung des Menschen am Ende seines Lebens sollten nach Ansicht von Ulrich Lilie, Präsident der Diakonie Deutschland, die Bedürfnisse der mehr als 800.000 hochaltrigen, multimorbiden Bundesbürger in den Mittelpunkt rücken. Bisher gehe der Fokus auf die onkologischen Patienten.

"Wir müssen alles dafür tun, dass die palliativmedizinische Versorgung dieser Menschen gewährleistet ist, damit in Deutschland niemand Angst davor haben muss, alt zu werden", sagte Lilie aus Anlass eines Besuchs mehrerer Einrichtungen des christlichen Gesundheitskonzerns Agaplesion in Frankfurt am Main.

"Wenn unsere Gesellschaft ihr menschliches Gesicht wahren will, müssen wir in Zukunft Milliarden in diesen Bereich investieren."

Palliativmedizin biete viele Möglichkeiten, Schmerzen bei Patienten zu lindern

Ulrich Lilie und Dr. Markus Horneber, Vorstandsvorsitzender der Agaplesion gAG, sprachen sich in diesem Zusammenhang klar gegen jede Form von organisierter und kommerzialisierter Sterbehilfe aus.

Stattdessen warben sie, gerade im Hinblick auf den demografischen Wandel in Deutschland, für einen effizienteren Einsatz von Ressourcen und neuen Versorgungsformen.

"Der flächendeckende Ausbau und die Förderung der Hospiz- und Palliativmedizin sind wesentlich", sagte Horneber. "Denn mit einer zunehmend älter werdenden Gesellschaft kommen neue Herausforderungen auf die Gesundheitsversorgung in Deutschland zu."

"In der öffentlichen Debatte um Sterbehilfe werden die Möglichkeiten der Palliativversorgung zu wenig thematisiert", kritisierte Ulrich Lilie, der im März dieses Jahres als Präsident der Diakonie Deutschland Johannes Stockmeier nachfolgte.

"Viele wissen gar nicht, welche Möglichkeiten moderne Palliativmedizin bietet, um bei Patienten Schmerzen zu lindern." Gerade hochaltrige Menschen könnten von einem verbesserten Angebot in diesem Bereich profitieren.

"Leider hat die große Gruppe derer, die sich nicht selbst zu Wort melden können, bei uns keine Lobby", so Lilie. "Diese Menschen sitzen nicht in Talk-Shows."

Agaplesion plant palliativmedizinisches Angebot an all seinen Standorten

Horneber benannte zwei wesentliche Unternehmensziele des mit einer Milliarde Euro Umsatz und bundesweit 19.000 Mitarbeitern fünftgrößten deutschen Gesundheitskonzerns.

 Zum einen wolle man an allen Agaplesion-Standorten in Deutschland ein palliativmedizinisches Angebot schaffen, und zum anderen solle jedes eigene Krankenhaus künftig mit einem Hospiz kooperieren.

Derzeit betreibt Agaplesion zwei eigene Hospize, das Elisabethen-Hospiz in Darmstadt und seit Februar 2014 das Samaria Hospiz in Gießen. (Smi)

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