Praxis am Campus in Mainz

Die Rechnung geht noch nicht auf

Gesundheitsminister Spahn will mit Integrierten Notfallzentren die Sektorengrenzen überwinden. Kann das gelingen? Ein Blick auf die Allgemeinmedizinische Praxis am Campus in Mainz gibt erste Antworten.

Von Anke ThomasAnke Thomas Veröffentlicht: 02.08.2019, 15:22 Uhr
Aktuelle Situation an der Allgemeinmedizinischen Praxis am Campus (APC)

Aktuelle Situation an der Allgemeinmedizinischen Praxis am Campus (APC)

© Anke Thomas, Quelle: APC Dr. med Birgit Schulz

Mainz. Ziel der am 18. März auf dem Gelände der Mainzer Unikliniken eröffneten Allgemeinmedizinischen Praxis am Campus (APC) ist es, die konservative Notfallaufnahme der Uniklinik zu entlasten (wir berichteten). Nun hat die APC erste Zahlen vorgelegt, die zeigen: Die Notfallaufnahme musste tatsächlich weniger Patienten versorgen.

Von rund 1200 in der von den APC-Allgemeinärzten behandelten Patienten konnten gut zwei Drittel wieder nach Hause geschickt werden (siehe Grafik). Allerdings: Das Patientenaufkommen in der APC ist viel geringer als ursprünglich von der Kassenärztlichen Vereinigung Rheinland-Pfalz (KV RLP) angenommen, die das Modellprojekt gemeinsam mit den rheinland-pfälzischen Krankenkassen angestoßen hat.

Pro Stunde ein Patient

Die APC ist von Montag bis Samstag jeweils von 8 bis 20 Uhr geöffnet. Bei Betrachtung der knapp 1200 Behandlungsfälle im erhobenen Zeitraum von der Eröffnung bis zum 20. Juli haben die Ärzte der APC pro gut gerechneter Stunde etwa einen Patienten versorgt.

In der APC arbeiten drei angestellte Fachärztinnen und Fachärzte für Allgemeinmedizin und ein Arzt in Weiterbildung. Das Team komplettieren derzeit vier erfahrene Medizinische Fachangestellte (MFA). Insgesamt sind acht Stellen für MFA eingeplant. Ärzte und MFA arbeiten im Schichtdienst, um die langen Öffnungszeiten abzudecken.

Die Zusammenarbeit und der Austausch mit der Notfallaufnahme funktioniert sehr gut.

Stephan Belzer, Facharzt für Allgemeinmedizin und Stellvertretender Leiter der APC

Als die Uniklinik 2016/2017 an die KV RLP herangetreten war und um Unterstützung gebeten hatte, da die Notaufnahme geradezu überrannt werde, ging die KV RLP von einem weitaus höheren Patientenaufkommen aus.

Hohes Minus für KV und Kassen

Das bedeutet: Das Minus, mit der die KV RLP und die Kassen von vorneherein gerechnet hatten und das KV und Kassen jeweils zur Hälfte tragen, wird weitaus höher ausfallen als gedacht. Bereits im Juni hatte Dr. Peter Heinz, Chef der KV RLP, auf der Vertreterversammlung eingeräumt, dass es bei den derzeitigen Zahlen sehr fraglich sei, ob die Einrichtung dauerhaft betrieben werden könne. Das APC Modellvorhaben nach Paragraf 63 SGB V ist auf vier Jahre angelegt.

Die Zusammenarbeit zwischen den Ärzten der Notaufnahme und der APC funktioniert nach Angaben von Stephan Belzer, Facharzt für Allgemeinmedizin und Stellvertretender Leiter der APC, sehr gut. Kontinuierlich finde ein Austausch statt. Alle Seiten würden voneinander lernen. Regelmäßig, so Belzer, frage er auch nach, was bei Patienten, die aus der APC in die Notfallaufnahme geschickt wurden, rausgekommen ist.

Er rechnet damit, dass die Zahlen steigen werden. Auch deshalb, weil bisher viele der anderen Uniklinik-Notfallambulanzen die APC noch nicht kennen. Hier will die APC in Zukunft stärker informieren.

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