Der Standpunkt

Die doppelte Demografiefalle

Von Helmut Laschet Veröffentlicht: 22.10.2010, 05:00 Uhr

Der Autor ist stellv. Chefredakteur und Ressortleiter Gesundheitspolitik bei der "Ärzte Zeitung". Schreiben Sie ihm: helmut.laschet@springer.com

Bis zum Jahr 2030 werden in Deutschland fast 170 000 Ärzte und 790 000 Mitarbeiter in den nichtärztlichen Gesundheitsberufen fehlen. Eine Gesundheitsversorgung, wie wir sie heute kennen, würde dann nicht mehr möglich sein.

Ein am Mittwoch in Berlin vorgestelltes Gutachten der Wirtschaftsprüfungs-Gesellschaft PricewaterhouseCoopers mit dem WifOR-Institut des ehemaligen Wirtschaftsweisen Bert Rürup bestätigt somit Warnungen der KBV und geht mit einer Prognose für die 20er Jahre des 21. Jahrhunderts in der Dramatik weit darüber hinaus.

Tatsache ist: Die alternde Gesellschaft wirkt auf die Medizin mit einem Multiplikatoreffekt. Der eine Faktor ist die wachsende Morbidität der Bevölkerung, die die Nachfrage nach Medizin und Pflege steigert.

Der andere Faktor wirkt auf das Medizinangebot. Weniger junge Menschen reduzieren das Arbeitskräftepotenzial. Die Schere zwischen sinkendem Angebot und steigendem Bedarf klafft immer weiter auseinander. Dramatisch wird dies ab 2020, weil dann die Alterung der Bevölkerung stark zunimmt.

Vor 20 Jahren wurde das Phänomen des demografischen Wandels politisch geleugnet. Dieser Irrtum sollte nicht wiederholt werden. Jetzt ist noch Zeit, die Herausforderung anzunehmen. Was ist nötig?

Rasch muss entschieden werden, die Kapazitäten an den medizinischen Hochschulen wieder hochzufahren. Die Attraktivität des Arztberufs bei jungen Menschen kann als Chance genutzt werden - die Erwartungen des Nachwuchses müssen aber auch erfüllt werden!

Wir brauchen Innovationen. Und zwar solche, die Ärzten und Mitarbeitern in der Pflege Arbeit ersparen. Das ist eine Riesenherausforderung, aber auch eine Chance für Pharma-, Medizintechnik- und Informations-Industrie.

Schließlich wird auch die Rente mit 67 ihren Schrecken verlieren, wenn die Menschen merken, dass ihre Arbeitskraft dringend benötigt wird - und wenn es gelingt, bis ins fortgeschrittene Alter produktiv zu bleiben.

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