LÄK Hessen

"Einheitskasse ist alles andere als gerecht!"

Mit der Bürgerversicherung wird die Zwei-Klassen-Medizin erst eingeführt, warnt Hessens Ärztekammerpräsident.

Veröffentlicht: 22.12.2017, 09:00 Uhr

FRANKFURT/MAIN. "Um sich als Partei der Gerechtigkeit zu profilieren, hat die SPD wieder die Bürgerversicherung aus der Schublade geholt und zum zentralen Thema für die Koalitionsverhandlungen erhoben", kritisiert Hessens Ärztekammerpräsident Dr. Gottfried von Knoblauch zu Hatzbach. "Doch der Vorwurf einer Zwei-Klassen-Medizin im derzeitigen dualen Krankenversicherungssystem aus gesetzlicher und privater Krankenversicherung ist schlichtweg falsch."

Wissenschaftliche Untersuchungen zu Versorgungsunterschieden in Europa machten deutlich, dass von angeblichen Versorgungsdefiziten keine Rede sein könne. Ganz im Gegenteil: Laut dem Kammerpräsidenten genießt die medizinische Versorgung in Deutschland einen hervorragenden Ruf. "Im Unterschied zu den meisten anderen europäischen Ländern gibt es in Deutschland Wahl- und Therapiefreiheit. Das heißt, dass Patienten einen direkten Zugang zum Facharzt ihrer Wahl und im europäischen Vergleich die kürzesten Wartezeiten haben", so von Knoblauch zu Hatzbach. Dabei stellt er klar, dass die Gesundheitsversorgung hierzulande gerade "nicht von der individuellen Finanzkraft" abhänge. "Im europäischen Vergleich sind wir das Land mit den geringsten Tendenzen zur Leistungsrationierung." Zudem würden die Steuergelder aller Bürger in das "für alle Patienten offen stehende Versorgungssystem" fließen.

Für den Kammerchef stellt sich die Sachlage daher genau umgekehrt dar: Erst die Bürgerversicherung bringe die Zwei-Klassen-Medizin ins Gesundheitssystem. Eine Einheitskasse – und nichts anderes verbirgt sich nach seiner Ansicht hinter der Bürgerversicherung – würde "einerseits zu einer Senkung des Leistungsniveaus und anderseits zu einer Ausweitung von Zusatzversicherungen führen", die sich nur Besserverdienende leisten könnten. (reh)

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