Krankenversicherung
GKV und PKV: Ausgabenwachstum liegt in allen Versorgungsbereichen über dem der Einnahmen
Die stationäre Versorgung bleibt in beiden Krankenversicherungssphären der Hauptkostentreiber, so eine aktuelle Studie. Eine weitere Erkenntnis daraus: Die Ausgaben für die ambulant-ärztliche Versorgung verlieren an Dynamik.
Veröffentlicht:
© picture alliance / ZB
Berlin. Der medizinisch-technische Fortschritt und die demografische Entwicklung gelten als Haupttreiber für die steigenden Beiträge der gesetzlichen (GKV) und privaten Krankenversicherer (PKV). Beide Versicherungssysteme stehen unter starkem Kostendruck, der an die Versicherten weitergegeben wird.
Nicht zuletzt der Sachverständigenrat Wirtschaft hat dies festgestellt. Aktuell klafft die Schere zwischen Einnahmen und Ausgaben immer weiter auf.
Sachverständigenrat Wirtschaft
Wirtschaftsweise drängen auf Reformen bei Gesundheit und Pflege
Das Wissenschaftliche Institut der PKV (WIP) hat nun die Entwicklung der Prämien- und Beitragseinnahmen in PKV und GKV im Zeitverlauf unter die Lupe genommen. Demnach steigen die Einnahmen in beiden Versicherungszweigen. In den Jahren 2007 bis 2027 legten die Beitragseinnahmen demnach in der GKV im Schnitt um 4,3 Prozent im Jahr zu, in der PKV waren es 3,7 Prozent.
Nimmt man nur die vergangenen zehn Jahre in den Blick, also die Jahre 2017 bis 2027, zeigt sich die Dynamik der Beitragseinnahmenentwicklung deutlicher. In diesem Zeitraum sind die Beiträge in der GKV im Schnitt um 5,3 Prozent, in der PKV um 5,1 Prozent gestiegen.
Beitragsanstiege werden unterschiedlich gesehen
Hintergrund der WIP-Recherche sind die unterschiedlichen Wahrnehmungen der Beitragsanstiege. Die Prämienanpassungen in der PKV erfolgten in unregelmäßigen Abständen und könnten den betroffenen Versicherten sprunghafte und spürbare Beitragssatzerhöhungen bescheren.
In der GKV dagegen vermittele der über längere Zeit unveränderte Beitragssatz den Eindruck von Konstanz. Gleichwohl stiegen auch dort die Beiträge – aufgrund der Anhebung der kassenindividuellen Zusatzbeiträge, höherer beitragspflichtiger Einkommen und einer steigenden Beitragsbemessungsgrenze.
Finanzen der Krankenkassen
Gesundheitsökonom Greiner: „2,5 Prozent GKV-Zusatzbeitrag werden nicht ausreichen“
Die Ausgaben übersteigen laut der Analyse des WIP die Einnahmen. Sowohl in der GKV als auch in der PKV seien die Leistungsausgaben deutlich gestiegen.
Als aktuellen Hauptkostentreiber in der GKV macht das WIP die Ausgaben für Krankenhausbehandlungen aus, die ausweislich der Berechnungen im Bundesgesundheitsministerium im ersten Halbjahr 2026 um 9,3 Prozent gestiegen seien. Die Ausgaben für die Versorgung in den Arztpraxen haben demnach um sechs Prozent zugelegt, die für Arznei- und Verbandmittel um 5,1 Prozent.
Ausgaben für Praxen wachsen schwächer
In allen Versorgungsbereichen habe das Ausgabenwachstum über dem der beitragspflichtigen Einnahmen gelegen stellen die Autoren des WIP fest. Arznei- und Verbandmittelausgaben seien insbesondere in der ambulanten spezialfachärztlichen Versorgung überdurchschnittlich gewachsen. Weniger stark gewachsen als in den zurückliegenden beiden Jahren seien die Ausgaben für ambulant ärztliche Leistungen.
Private Krankenversicherung
Leistungsausgaben steigen – PKV-Verband kündigt Beitragserhöhungen an
Als Vergleichsgrößen in der PKV ziehen die Autoren der Untersuchung Werte aus dem Jahr 2025 heran. Der Anstieg der Leistungsausgaben für die stationäre Versorgung der PKV-Patienten habe demnach bei 7,5 Prozent gelegen, der für die ambulant-ärztliche Versorgung bei sechs Prozent und bei Arzneimitteln bei 8,2 Prozent.
In der ambulant-ärztlichen Versorgung haben demnach ausweislich der Berechnungen des Instituts die Neurologie, die Psychiatrie und die Psychotherapie besonders hohe Steigerungen zu verzeichnen. (af)










