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Schleswig-Holstein

Honorar-Sorgen bei Psychotherapeuten

Die Psychotherapeuten in Schleswig-Holstein sehen die Patientenversorgung in Gefahr, weil eine HVM-Änderung ihnen Flexibilität nimmt. Sie beklagen: "Für schnelle Krisenintervention fehlen Zeit und Geld."

Dirk SchnackVon Dirk Schnack Veröffentlicht:
Zu wenig Zeit, zu wenig Geld: Das beklagen die Psychotherapeuten im Norden.

Zu wenig Zeit, zu wenig Geld: Das beklagen die Psychotherapeuten im Norden.

© imageteam / fotolia.com

KIEL. 81,90 Euro pro Sitzung, 62,10 Euro für probatorische Leistungen - diese Regelung war für den Lübecker Psychotherapeuten Dr. Dietmar Ohm nicht optimal, aber er konnte die Versorgung flexibel und zeitnah leisten. Zu Kriseninterventionen sah er sich noch in der Lage.

Das ist heute anders. Nach einer HVM-Änderung im April durch die KV Schleswig-Holstein erhält er für seine Leistungen nach eigenen Angaben unter dem Strich zehn Prozent weniger Honorar, sieht sich in der Flexibilität eingeengt und nicht mehr in der Lage, seinen Patienten unbürokratisch Hilfe anzubieten.

Ohm und weitere Kollegen aus Schleswig-Holstein haben in den vergangenen Monaten die Psychotherapeutenkammer eingeschaltet und um Unterstützung gebeten.

Die ist nun an die Öffentlichkeit gegangen, um auf die Situation aufmerksam zu machen.

"Für schnelle Krisenintervention fehlen Zeit und Geld"

"Die gesundheitspolitische Forderung nach mehr Flexibilität in der Versorgung lässt sich kaum noch umsetzen", sagte Kammerpräsidentin Juliane Dürkop.

Die Kammer vertritt rund 1400 psychologische Psychotherapeuten und Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten, von denen 450 zur vertragspsychotherapeutischen Versorgung zugelassen sind.

Auch die Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin Kathrin Kühne aus Eckernförde bestätigte das Problem für ihre Fachgruppe: "Für eine schnelle Krisenintervention fehlen jetzt die Zeit und das Geld."

Sie hat als Konsequenz deshalb eine geplante Akutsprechstunde gestrichen.

Zu schwache Gruppe innerhalb der KV?

Statt der früher geltenden Sätze erhalten die Psychotherapeuten inzwischen eine Grundpauschale von unter zwölf Euro je Patient, mit der viele Leistungen bereits abgegolten sind.

Nach Erbringung dieser Leistungen fehlt aber die Zeit für weitere, die früher erbracht werden konnten - und die auch bezahlt wurden.

Die Psychotherapeuten suchen die Verantwortung bei der KV. "Wir sind die schwächste Gruppe in der KV. Psychotherapeuten müssen die Chance haben, bei gleicher Zeitbelastung genauso viel zu verdienen wie Ärzte", sagt Ohm.

Die KV teilte hierzu mit, dass die Psychotherapeuten genauso wie Ärzte unter einem gedeckelten Gesamtbudget arbeiten und nicht jede Leistung zu 100 Prozent vergütet werden könne.

In den Honorarverhandlungen hätten die Krankenkassen eine Vergütung der Kurzinterventionen außerhalb der morbiditätsbedingten Gesamtvergütung abgelehnt.

Praxen mit deutlichen Honorarverlusten erhalten nach KV-Angaben eine Stützung, dies sei bei 7,5 Prozent der Psychotherapeuten nötig. Ab dem vierten Quartal 2013 werden die über die Kapazitätsgrenzen hinaus erbrachten Leistungen besser vergütet.

In diesem Jahr sollen die Kapazitätsgrenzen dann durch ein praxisindividuelles Punktzahlvolumen abgelöst werden. Dies soll die individuelle Praxis- und Patientenstruktur besser abbilden.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar: Zahlen müssen auf den Tisch!

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