Hoppe: Ärztemangel muss in Koalitionsvertrag

Die Bundesärztekammer sieht dem demografischen Wandel mit Sorge entgegen: Immer weniger Ärzte müssen immer mehr chronisch Kranke versorgen.

Von Rebecca Beerheide Veröffentlicht:
Der demografische Wandel bringt mehr Chroniker und immer weniger junge Ärzte.

Der demografische Wandel bringt mehr Chroniker und immer weniger junge Ärzte.

© Foto: resultswww.fotolia.de

BERLIN. "Eine Gesellschaft des langen Lebens braucht Ärzte in Klinik und Praxis - und nicht in anderen Berufsfeldern", mahnte der Präsident der Bundesärztekammer (BÄK), Professor Jörg-Dietrich Hoppe, bei einem Symposium zum demografischen Wandel und Ärztemangel in Berlin. Der BÄK-Präsident forderte die nächste Bundesregierung auf, Konzepte für den künftigen Bedarf an Ärzten zu diskutieren und konkrete Aussagen im Koalitionsvertrag zu treffen.

Um den bevorstehenden Ärztemangel zu lindern, schlug der Präsident der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG), Dr. Rudolf Kösters, vor, die Zahl der Studienplätze in der Humanmedizin zu erhöhen. "Besonders wichtig ist es, sich von der starren Fixierung auf Notendurchschnitte als Zulassungsberechtigung für das Studium zu lösen", sagte Kösters.

Diesen Vorschlag sieht der zweite Vorsitzende des Marburger Bundes, Dr. Andreas Botzlar, kritisch. Vielmehr müsse die Arbeitswelt im Krankenhaus attraktiver gestaltet werden. Ein "Alarmsignal erster Ordnung" sei es, dass weniger als vier von fünf Absolventen der Humanmedizin in der Patientenversorgung arbeiten.

Außerdem müsse das Praktische Jahr in den Klinken wieder mehr geschätzt werden, so Botzlar. Als negatives Beispiel nannte er die Universitätsklinik Mainz, die es ihren Lehrkrankenhäusern per Ehrenkodex verbietet, eine Aufwandsentschädigung an PJ'ler zu zahlen (wir berichteten).

Das Verhalten der Uniklinik bezeichnete Dr. Frank Ulrich Montgomery, Vizepräsident der BÄK, als "absurd" und "antiquiert". Gerade die Krankenhausträger hätten es in der Hand, sich als Arbeitgeber attraktiv zu machen. Auch auf den höheren Anteil von Frauen im Beruf und den Wunsch nach Zeit für die Familie müssten Kliniken Antworten finden. Unter den berufstätigen Ärzten waren im Jahr 2008 bereits 41,5 Prozent Frauen. Als eine weitere Herausforderung beschrieb der Vorsitzende der KV Westfalen-Lippe, Dr. Ulrich Thamer, die zunehmende Multimorbilität der Patienten. Diese trete bereits heute mit regionalen Unterschieden in NRW verstärkt auf.

Schlagworte:
Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Mehr als ein oberflächlicher Eingriff: Die Krankenhausreform verändert auch an der Schnittstelle ambulant-stationär eine ganze Menge.

© Tobilander / stock.adobe.com

Folgen der Krankenhausreform für niedergelassene Ärztinnen und Ärzte

Die Klinikreform bringt Bewegung an der Schnittstelle zwischen Praxen und Krankenhäusern

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: der Deutschen Apotheker- und Ärztbank (apoBank)
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Kardiovaskuläres Risiko

Wann die Lipoprotein(a)-Messung wirklich sinnvoll ist

Wahnvorstellungen erkennen

Was der interpersonelle Abstand bei Schizophrenie verrät

Lesetipps
Eine Ärztin erklärt einer Patientin mit ernstem Gesicht eine Sachlage.

© Siphosethu F/peopleimages.com - stock.adobe.com

Krebsprävention

HPV und seine Folgen: Mit diesen Antworten beruhigen Sie Patienten

Drei Inhalationssysteme nebeneinander: Soft-Mist-Inhalator, Pulverinhalator und Dosieraerosol.

© zhennyzhenny / stock.adobe.com

Klimabewusste Inhalationstherapie

COPD: LAMA-LABA-Inhalatoren im Vergleich