Berufspolitik

Jongleure im Einsatz für gerechte Arzthonorare

Hamburgs Ärzte wollen mehr regionalen Spielraum im Honorarpoker. Mit kreativen Ideen versuchen sie auf der Straße, Patienten für ihr Anliegen zu gewinnen.

Von Dirk SchnackDirk Schnack Veröffentlicht:
Erst Feuerkunststücke vom Jongleur, dann eine Postkarte an Daniel Bahr: So machten Hamburgs Ärzte auf ihre Probleme aufmerksam.

Erst Feuerkunststücke vom Jongleur, dann eine Postkarte an Daniel Bahr: So machten Hamburgs Ärzte auf ihre Probleme aufmerksam.

© Schnack

HAMBURG. "Ich bin nicht von hier." Mit dieser Absage kommt die Passantin schnell am Jongleur vorbei und beschleunigt ihre Schritte Richtung Rathaus.

"Hamburger Medizin kaputtgespart"

Die Postkarte an Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr mit dem Aufdruck "Hamburger Medizin kaputtgespart" bleibt in der Hand des Schauspielers im weißen Kittel, der schon den nächsten Fußgänger anspricht.

Den gut frequentierten Platz an Hamburgs Einkaufsmeile Mönckebergstraße haben um die Mittagszeit Jongleure, Marionetten und Feuerartisten fest in ihrer Hand. In weißen Kitteln und mit Arztutensilien zeigen sie ihre Einlagen und liefern Interpretationsspielraum: Eine Ärztin als Marionette, ein anderer spielt im weißen Kittel mit dem Feuer, andere jonglieren - nicht mit Millionensummen, sondern mit Keulen.

Es drohen im Versorgungsstrukturgesetz weitere Benachteiligungen

Mit den Einlagen lenken sie die Aufmerksamkeit der Passanten auf sich und ein Problem, das Hamburgs Ärzte verbittert: Nachdem sie bei der vergangenen Honorarreform schon 50 Millionen Euro unter dem Durchschnitt geblieben waren, drohen durch Regelungen im Versorgungsstrukturgesetz weitere Benachteiligungen für die Praxen in der Hansestadt.

Um das zu verdeutlichen, haben die KV und ärztliche Berufsverbände drei Zelte in der Innenstadt aufgeschlagen. Die Botschaft: Hier könnte schon bald die Versorgung stattfinden, weil den Praxen das Geld ausgeht. Ärzte, Praxismitarbeiter und engagierte Helfer gehen zwischen Zelten und Artisten auf die Menschen zu, um mit ihnen über die daraus entstehenden Probleme zu diskutieren.

"Es geht nicht nur um Arzthonorare, sondern um die Versorgung"

Wichtig ist für Dr. Michael Späth an diesem Tag die überwiegend positive Resonanz. "Wir erklären den Menschen, dass Geld für die Versorgung aus Hamburg abgezogen wird", sagt der Vorsitzende der Hamburger Vertreterversammlung, bevor er einem Passanten im Zelt den Blutdruck misst.

Viel Zeit nehmen sich nur wenige, um mit den Ärzten die Honorarprobleme ausgiebig zu diskutieren. Späth berichtet, dass kaum jemand fragt, wohin das Geld denn fließt. Dennoch spüren Ärzte wie Dr. Stephan Hofmeister eine hohe Sensibilität bei den Menschen für das Thema, weil ihnen klar ist: "Es geht nicht nur um Arzthonorare, sondern um die Versorgung."

Krankenkassen stellen Ärzte als "Gutverdiener" dar

Die Krankenkassen dagegen sprechen von "Jammern auf hohem Niveau". Sie stellen Hamburgs Ärzte als "Gutverdiener" dar und fordern Solidarität mit anderen, ärmeren Regionen von ihnen.

"Verwerflich ist darüber hinaus, dass die beteiligten Ärzte immer wieder das Abhängigkeitsverhältnis ihrer Patienten ausnutzen, um diese im Wartezimmer mit eigennützigen politischen Forderungen zu belasten", beklagt der vdek.

Die Menschen auf der Mönckebergstraße fühlen sich offensichtlich überhaupt nicht instrumentalisiert. Wer erstmal mit einem Arzt oder Helfer an diesem Tag spricht, unterzeichnet meist auch eine von den Postkarten an Daniel Bahr mit der klaren Forderung: "Berlin darf unsere Hamburger Ärzte nicht weiter benachteiligen."

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