150 Millionen Euro nicht ausgezahlt

KBV-Chef Gassen macht Vize verantwortlich

KBV-Krise: Vergangene Woche sorgte ein ÄZ-Interview von Vorstandsvize Feldmann für Wirbel – Jetzt äußerte sich KBV-Chef Gassen.

Anno FrickeVon Anno Fricke Veröffentlicht:
KBV-Chef Dr. Andreas Gassen.

KBV-Chef Dr. Andreas Gassen.

© vdb

BERLIN. KBV-Chef Dr. Andreas Gassen hat seine Vorstandskollegin Regina Feldmann dafür verantwortlich gemacht, dass in den vergangenen beiden Jahren rund 150 Millionen Euro nicht an die Hausärzte ausgezahlt worden seien. Er gehe davon aus, dass dieses Geld verfallen sei und nicht mehr ausgezahlt werden könne.

Damit reagierte Gassen am Mittwoch auf einen offenen Brief des Vorsitzenden des Deutschen Hausärzteverbands Ulrich Weigeldt.

Im Kern geht es um die Förderung nichtärztlicher Praxisassistentinnen in Hausarztpraxen. Weigeldt hatte in einem offenen Brief an die KV-Vorstände und die Vorstände des GKV-Spitzenverbands darauf hingewiesen, dass eine Vielzahl bürokratischer Regelungen dafür sorge, dass die Förderung nie in den hausärztlichen Praxen ankomme.

"Mit Versorgungsorientierung auf unsere älteren und chronisch kranken Patienten hat das nichts mehr zu tun", schreibt Weigeldt.

Der Chef des Hausärzteverbands habe Recht, sagte Gassen am Mittwoch in Berlin. Für die NäPa-Förderung, die Chronikerpauschale und die Vergütung von hausärztlichen Gesprächsleistungen sei allerdings Regina Feldmann zuständig. "Wir brauchen technische Verbesserungen der haus- und fachärztlichen Abrechnungen", sagte Gassen.

Laut Auskunft des GKV-Spitzenverbandes funktioniert die NäPa-Förderung besser als dargestellt. 2015 seien demnach 1,2 Millionen Hausbesuche durch NäPas erfolgt, sagte eine Verbandssprecherin am Mittwoch der "Ärzte Zeitung". Mehr als 10.000 Hausärzte hätten 2015 eine NäPa beschäftigt. 2016 sei sowohl die Zahl der NäPas als auch die Zahl der Hausbesuche weiter gestiegen.

Gassen ging auch auf die seit geraumer Zeit anhaltenden Auseinandersetzungen zwischen ihm und Feldmann ein. Er werde nicht zurücktreten, wie Feldmann dies im Interview mit der "Ärzte Zeitung" gefordert hatte. "Ich habe klar gesagt, dass ich den positiven Drive aus der KBV 2020-Agenda mitnehmen will", sagte Gassen.

Feldmann hat dagegen angekündigt, kein Spitzenamt mehr in der KBV anzustreben. Sie wolle sich jedoch in in ihrer Heimat Thüringen weiter berufspolitisch engagieren. Gassen kommentierte den bevorstehenden Abgang: Feldmann verhalte sich wie jemand, der vor Verlassen des Raumes noch ein paar Vasen vom Tisch schlage.

Gassen bezog sich unter anderem auf einen von Feldmann veranlassten Vermerk der Innenrevision. Dieser Bericht sei "falsch und bestellt" und verstoße gegen die eigene Geschäftsordnung, sagte Gassen.

Die Legislatur endet laut Gassen offiziell zum 31. Dezember. Die alte Vertreterversammlung könne die Vorstände allerdings bitten, die Amtsgeschäfte bis zur konstituierenden Sitzung der neuen Vertreterversammlung voraussichtlich Anfang März 2017 weiter zu führen.

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