Netzförderung

KV Bayerns warnt vor Goldgräbermanier

Goldgräberstimmung bei den Praxisnetzen? Seit dem Versorgungsgesetz steht ihre finanzielle Förderung im Gesetzbuch. Zahlen müssen die KVen. Die Bayern schlagen deswegen jetzt Alarm.

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Bayerns KV-Vize Dr. Pedro Schmelz: "Wir stoßen an die Grenzen unserer Möglichkeiten."

Bayerns KV-Vize Dr. Pedro Schmelz: "Wir stoßen an die Grenzen unserer Möglichkeiten."

© KVB

MÜNCHEN. Sind die Kassenärztlichen Vereinigungen inzwischen zu einem "Förderklub" geworden? Diesen Eindruck könnte man nach Ansicht von Dr. Pedro Schmelz, stellvertretender Vorsitzender der KV Bayerns (KVB), durchaus haben.

"Wir müssen aus der morbiditätsbedingten Gesamtvergütung (MGV), die eigentlich für die Behandlung der Patienten gedacht ist, immer öfters staatlich verordnete Strukturmaßnahmen finanzieren", die originäre Aufgaben des Staates oder der Krankenkassen seien, kritisierte Schmelz bei der Vertreterversammlung der KVB.

Das könne auf Dauer so nicht weiter gehen. "Wenn sich nichts ändert, ist das System nicht mehr reformierbar", so Schmelz. "Wir stoßen an die Grenzen unserer Möglichkeiten".

Eines von vielen Beispielen sei die gesetzlich vorgesehene Förderung von Praxisnetzen durch die KVen. Nach den Vorgaben der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) sollen insbesondere fachübergreifende lokale Praxisnetze mit hohem strukturellem Reifegrad unterstützt werden.

KVB fordert zusätzliches Geld

Von den bundesweit etwa 30 Praxisnetzen, die dafür infrage kommen, seien etwa ein Drittel in Bayern, erklärte Schmelz.

Die Förderung von Praxisnetzen durch die KV habe durchaus Risiken, meinte der KVB-Vize. So bestehe die Gefahr einer Zersplitterung der Versorgungslandschaft durch Insellösungen. Auch könnten Gelder, die für die Versorgung gedacht sind, beispielsweise an Managementgesellschaften abfließen.

Genau betrachtet erfolge die Förderung von Praxisnetzen auf Kosten von Ärzten, die nicht in Praxisnetzen organisiert sind. "Wir wollen nicht, dass sich einzelne Netze in Goldgräbermanier die Rosinen herauspicken und die anderen Kollegen hintanstehen", sagte Schmelz.

Gleichwohl böten Praxisnetze aber auch Chancen, etwa bei der Nachwuchsförderung. Auch könnten Praxisnetze ein Gegengewicht zum Einfluss von Kliniken sein, meinte Schmelz.

Vor diesem Hintergrund sei eine finanzielle Förderung von Praxisnetzen zwar grundsätzlich richtig. Das Geld dafür müsse aber von den Kassen oder vom Staat zusätzlich bereitgestellt werden. (sto)

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