Berufspolitik

Kardiologen werden Therapie-Manager

"Mit Herz dabei" heißt das neue telemedizinische Programm der BKK Taunus. Ziel ist, die Versorgung von Patienten mit Herzinsuffizienz in Hessen zu verbessern.

Von Sabine Schiner Veröffentlicht:
Täglich überträgt der Patient seine Werte an ein Call-Center. Sind bestimmte Grenzwerte überschritten, werden Arzt und Patient gewarnt.

Täglich überträgt der Patient seine Werte an ein Call-Center. Sind bestimmte Grenzwerte überschritten, werden Arzt und Patient gewarnt.

© Foto: PHTS

In ganz Hessen gibt es etwa 120 000 Patienten mit Herzinsuffizienz, jedes Jahr erkranken 16 000 Menschen neu. Die Krankheitskosten liegen nach Angaben der BKK Taunus bei mehr als 220 Millionen Euro im Jahr. Mit dem neuen Integrierten Versorgungsvertrag sollen die Koordination der Behandlung durch Haus- und Fachärzte verbessert und die Behandlungskosten gesenkt werden. Cordula Gierg, Direktorin der Taunus BKK, schätzt das Einsparpotenzial des Vertrages pro Patient auf etwa 9000 Euro im Jahr im Vergleich zur Regelversorgung.

Zu den Partnern des neuen Programms gehören die Kardiologie-Plattform Hessen, die Managementgesellschaft Medicalnetworks und der Dienstleister Personal HealthCare Telemedicine Services GmbH (PHTS) in Düsseldorf.

Hausärzte, die sich an dem Vertrag beteiligen, arbeiten eng mit den Fachärzten der Kardiologie-Plattform zusammen. Die Genossenschaft vertritt derzeit 122 Mitglieder, das sind etwa 95 Prozent aller niedergelassenen Kardiologen in Hessen. Die Hausärzte erhalten eine extrabudgetäre Behandlungspauschale von 30 Euro, die Fachärzte 70 Euro pro Patient und pro Quartal. Die PHTS rüstet die Patienten mit einer Waage, einem Blutdruckmessgerät und bei Bedarf mit einem Zwölf-Kanal-EKG aus.

Täglich einmal übermitteln die Patienten ihre Werte per Telefon an das Call-Center der PHTS. Dort stehen rund um die Uhr Ärzte, Krankenschwestern und Pfleger bereit. 40 Angestellte beschäftigt die Firma derzeit. Im Servicecenter werden zudem die Daten in einer elektronischen Patientenakte dokumentiert. Werden außergewöhnliche Werte gemessen, dann alarmieren die Spezialisten den Patienten, dessen Hausarzt und Kardiologen. Im Notfall wird auch der Notarzt benachrichtigt.

Ärzte sehen den Vertrag positiv. "Wir bekommen von den Krankenkassen pro Patient und Quartal im Schnitt 35 bis 50 Euro. Die Möglichkeiten, mit diesem Budget allein Schwerkranke optimal zu versorgen, ist begrenzt", sagt etwa Dr. Lothar Krehan, Kardiologe aus Darmstadt.

Die Kardiologen, die sich an dem Vertrag beteiligen, übernehmen die Rolle eines Therapie-Managers. Sie überwachen die Patienten, sind Ansprechpartner im Notfall und bieten Schulungs- und Trainingsprogramme an. Die Vorteile, so Krehan, lägen auf der Hand: "Wir können auf Veränderungen des klinischen Zustandes schneller reagieren und durch eine enge Therapieführung bieten wir den Patienten mehr Sicherheit im Umgang mit der Erkrankung."

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