Niedersachsen

Klinik plant Resilienzkurse für Pflegekräfte

Veröffentlicht: 21.07.2016, 14:27 Uhr

OLDENBURG. Das Klinikum Oldenburg will seinen Intensivpflegern ein Resilienztraining anbieten. Die Mitarbeiter sollen in der psychisch anspruchsvollen Arbeit am Bett von Schwerstkranken lernen, in belastenden Situationen systematisch auf ihre inneren, persönlichen Ressourcen zurückzugreifen.

"Wir wollen die psychische Widerstandskraft wecken", sagt Dr. Dirk Tenzer, Geschäftsführer des Klinikums Oldenburg, der "Ärzte Zeitung". Hintergrund der Maßnahme sind die Patientenmorde durch den Intensivpfleger Niels H.. Er ist bereits zu lebenslanger Haft wegen zweifachen Mordes verurteilt, wird von der Oldenburger Staatsanwaltschaft aber verdächtigt, in Oldenburg sechs Intensivpatienten getötet zu haben.

Er halte nichts davon, Intensivpflegende rotieren zu lassen, sie also zwischendurch auf Normalstationen einzusetzen, um die Belastung vorübergehend zu senken, sagt Tenzer. Dazu sei die Nähe der Pflegenden zur Medizin und ihre Suche nach Herausforderungen zu groß. "Sie sollen vielmehr lernen, mit dem Erlebten besser klarzukommen."

Gegen Ende dieses Jahres soll das Programm mit einem Seminar starten und in Auffrischungs-Kursen fortgesetzt werden. Bereits im Oktober wird das Klinikum ein Symposium zum Thema Resilienz und Burn-out veranstalten.

"Das Angebot wird nicht nur auf Gegenliebe stoßen", vermutet Tenzer. Doch in der Kinder - und Jugendpsychiatrie des Oldenburger Klinikums sei die regelmäßige Begleitung der Mitarbeiter durch Supervisoren längst üblich. Warum nicht auch auf Intensivstationen, fragt Tenzer.

Ob der Kurs für die Pflegenden auf Intensivstationen zur Pflicht werden, ist noch nicht ausgemacht. Auch der Betriebsrat müsste einverstanden sein. "Mein Fernziel ist es, solche Kurse in die Ausbildung mit einzubauen", sagt Tenzer. In einem zweiten Schritt sollen die Kurse auch Ärzten auf Intensivstationen angeboten werden. Aber für Ärzte wie für Pflegende gelte: "Man kann so etwas nicht an den Beteiligten vorbei einführen", so Tenzer. "Die Leute müssen davon überzeugt sein." (cben)

Lesen Sie dazu auch den

Kommentar Seite 2

Mehr zum Thema

Abschlussbericht Personalbemessung

Personalbedarf stärker an Pflegebedürftigkeit ausrichten!

Medizintechnik

COVID-19-Test in nur drei Minuten?

Nordrhein-Westfalen

Pflegekammer bestimmt erstes Führungsduo

Kommentare

Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar verfassen zu können.
Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Newsletter bestellen »

Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte, Medizinstudenten, MFA und weitere Personengruppen viele Vorteile.

Die Anmeldung ist mit wenigen Klicks erledigt.

Jetzt anmelden / registrieren »

Top-Meldungen
Experten-Bündnis fordert Vorfahrt für Prävention

Berliner Erklärung

Experten-Bündnis fordert Vorfahrt für Prävention

Vor allem komplizierte planbare Operationen sollten in Kliniken vorgenommen werden, wo aufgrund höherer Fallzahlen eingespielte interdisziplinäre Teams bei hoher Prozess- und Strukturqualität Erfahrung aufbauen konnten, fordert die Barmer.

Krankenhausreport der Barmer

Hohe Operations-Fallzahl rettet Leben