Krankenkassen und Apotheker für striktes Werbeverbot

BERLIN (ble). Kassen und Apotheker haben die von der Europäischen Kommission geplante Novellierung der EU-Arzneimittelrichtlinie scharf kritisiert.

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Sie fürchten mit der Änderung der Vorgaben eine gefährliche Lockerung des Werbeverbots für verschreibungspflichtige Medikamente. Die Entscheidung über die optimale Pharmakotherapie müsse weiter beim Arzt liegen, forderte die Arbeitsgemeinschaft der Spitzenverbände der gesetzlichen Krankenkassen. Eine bessere Information von Patienten über Vorteile und Risiken von Medikamenten müsse durch von der Pharmaindustrie unabhängige Informationsquellen sichergestellt werden.

Es sei daher falsch, den Herstellern zu erlauben, in Printmedien oder auf Internetseiten über verschreibungspflichtige Arzneimittel zu informieren, so die Kassenverbände. Eine umfassende Aufklärung über Risiken und Nebenwirkungen von Medikamenten sei durch die Hersteller nicht zu erwarten.

Auch der Präsident der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände, Heinz-Günter Wolf, betonte die Notwendigkeit unabhängiger Information. "Wir Apotheker setzen uns für eine verbesserte und vor allem objektive Patienteninformation ein - bei allen Medikamenten, egal ob rezeptpflichtig oder nicht."

Über die optimale Pharmakotherapie müsse der Arzt entscheiden. Dagegen begrüßten die Kassen, dass die Kommission von Plänen Abstand genommen zu haben scheint, Reimporteure zu verpflichten, vor der Umverpackung eines Medikaments - etwa zum Austausch des Beipackzettels - die Genehmigung des Herstellers einholen zu müssen. Anderenfalls, so die Kassen, hätte gedroht, dass die seit 1975 gängigen Re- und Parallelimporte praktisch vom Markt verschwinden. Die Kommission hatte die Genehmigungspflicht mit dem Schutz vor Arzneimittelfälschungen begründet.

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