Der Standpunkt

Mehr Freiheit und Verantwortung

Von Helmut LaschetHelmut Laschet Veröffentlicht:
Der Autor ist stellv. Chefredakteur und Ressortleiter Gesundheitspolitik der Ärzte Zeitung. Schreiben Sie ihm: helmut.laschet@springer.com

Der Autor ist stellv. Chefredakteur und Ressortleiter Gesundheitspolitik der Ärzte Zeitung. Schreiben Sie ihm: helmut.laschet@springer.com

© Michaela Illian

Hehre Worte hat die Arbeitsgruppe Gesundheit der CDU/CSU-Bundestagsfraktion in ihrem diese Woche beschlossenen Arbeitspapier für eine Reform der medizinischen Versorgung gefunden. "Leitidee unserer Überlegungen ist die Verbesserung bzw. der Erhalt der freiheitlichen Ausübung des Arztberufs und der Diagnose- und Therapiefreiheit."

Auf den Punkt gebracht soll das heißen: "Der Arzt muss den Kopf frei haben."

Schön und gut. Aber frei von was? Natürlich von übermäßiger Bürokratie, Gängelung, kujonierenden Sanktionen, planlosen Änderungen im Quartalstakt.

Erste konkrete Überlegungen des Bundesgesundheitsministeriums weisen dagegen in eine etwas andere Richtung. Sehr prosaisch ist die lange Liste möglicher Veränderungen - und immer noch höchst unvollständig, weil das Ministerium das Thema Vergütung ebenso wie die Finanzierung erst einmal vertagt hat.

Sichtbar wird jedoch eines: Wer Freiheit und Gestaltungsspielräume schaffen will - und dazu gibt es viele bedenkenswerte Vorschläge -, der muss darauf vertrauen, dass diese genutzt werden. Offenkundig plant Philipp Rösler, den Zentralismus zurückzuschneiden und mehr Verantwortung in die Region zu geben.

Das ist notwendig und richtig: Überall, wo in der Medizin personalisierte Leistung erforderlich ist - und das betrifft außer der Produktion von Arzneimitteln und Medizintechnik die gesamte Versorgung -, muss deren Organisation und Sicherstellung auf der lokalen und regionalen Ebene liegen.

Dort müssen sich Fähigkeiten und Verantwortung entwickeln, die Versorgung zu gestalten. Spätestens wenn der Arzt vor Ort keine Selbstverständlichkeit mehr ist, dürfte Kreativität entstehen. Was der Bundesgesetzgeber kann, ist, dafür jetzt den Freiraum zu schaffen.

Was er nicht kann, ist, den Bürgern, aber auch den Ärzten zu garantieren, dass es auch in Zukunft aller Orten eine Medizin mit hohem Komfort gibt. Vorsicht also vor allzu hoch gesteckten Erwartungen - die Enttäuschung wäre bitter.

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