Direkt zum Inhaltsbereich

Bedarfsplanung

Mehr Hausärzte für das Ruhrgebiet

Das Ruhrgebiet soll nach dem Willen von Landesgesundheitsministerin Steffens nicht ewig seine Sonderrolle bei der Bedarfsplanung behalten. Eine Anpassung müsse aber in Schritten geschehen, forderte sie.

Ilse SchlingensiepenVon Ilse Schlingensiepen Veröffentlicht:

MÜLHEIM. Die Sonderrolle des Ruhrgebiets bei der Bedarfsplanung darf nicht unbegrenzt in die Zukunft fortgeschrieben werden, fordert die nordrhein-westfälische Gesundheitsministerin Barbara Steffens (Grüne). Da eine schlagartige Anpassung an die bundesweiten Werte zu Versorgungsproblemen in anderen Regionen führen würde, plädiert sie für ein schrittweises Vorgehen.

"Mir hat noch keiner erklären können, warum die Menschen im Ruhrgebiet weniger Arztstunden brauchen als die Menschen anderswo", sagte Steffens beim "Forum Gesundheit 2016" der Kreisstelle Mülheim der Ärztekammer Nordrhein.

Für das Ruhrgebiet gelten seit den 90er Jahren bei der Bedarfsplanung besondere Regeln. Das hat sich auch durch die neue Bedarfsplanungsrichtlinie vom 1. Januar 2013 nicht geändert. Während seitdem bundesweit 1671 Einwohner pro Hausarzt zugrundegelegt werden, sind es im Pott weiterhin 2134.

"Die Ruhrgebietsbevölkerung hat deutlich weniger Hausärzte als im übrigen Bundesgebiet", kritisierte Uwe Brock, Hausarzt in Mülheim und Vorsitzender der Kreisstelle. Gerade angesichts der in einigen Städten überdurchschnittlichen Morbidität der Bevölkerung und der demografischen Entwicklung sei das keine gute Voraussetzung, um die Herausforderungen der Zukunft zu bewältigen.

Der nordrhein-westfälische Patientenbeauftragte Dirk Meyer bezeichnete die Sonderrolle als "eine plumpe Diskriminierung". Die Messzahlen hätten mit dem tatsächlichen Bedarf nichts zu tun. "Man muss anerkennen, dass die Menschen im Ruhrgebiet in der hausärztlichen Versorgung den gleichen Bedarf und die gleichen Ansprüche haben wie in allen anderen Regionen", forderte er.

Ministerin Steffens will auf Bundesebene weiter dafür streiten, dass die Benachteiligung endlich endet, kündigte sie an. Nach der Bedarfsplanungsrichtlinie ist vorgesehen, dass die Versorgungssituation im Ruhrgebiet bis Ende 2017 überprüft wird.

Auch der stellvertretende Vorsitzende der KV Nordrhein Bernhard Brautmeier sieht Handlungsbedarf.

Eine Angleichung an die bundesweiten Verhältnisse müsse allerdings mit Augenmaß erfolgen, betonte er. Die der Sonderbehandlung des Ruhrgebiets zugrundeliegende Annahme, dass der sonst für Städte typische Mitversorgereffekt entfällt, habe sich als richtig erwiesen. Schließlich grenzt dort eine Stadt an die andere.

Eine schlagartige Umstellung auf die bundesweiten Messzahlen würde einen Run von Ärzten auf die Ruhrgebietsstädte auslösen, erwartet Brautmeier. "Es kämen viele hierhin, die anderswo dringend gebraucht würden." Deshalb sei es wichtig, gemeinsam nach einer praktikablen Lösung zu suchen, sagte er.

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Warten auf ein Gesetz

Regulierung von Investoren-MVZ: Tut sich da noch etwas?

Das könnte Sie auch interessieren
Jugendliche die schon früh, ohne Eltern in die Sprechstunde kommen, werden selbstständiger.

© Racle Fotodesign / stock.adobe.com

Typ-1-Diabetes bei Kindern und Jugendlichen

Wie gelingt der Übergang vom Pädiater in die Erwachsenenmedizin?

Frauen erhalten eine andere und meist schlechtere Behandlung als Männer. Sie sind häufiger vom Medical Gaslighting betroffen, insbesondere in der Kardiologie.

© NPS Studio / stock.adobe.com

Hormone, Schwangerschaft, Wechseljahre

Warum ein Diabetes Frauen anders trifft als Männer

Kommentare
Dr. Henning Fischer 14.03.201610:43 Uhr

... Run von Ärzten auf die Ruhrgebietsstädte ...


haben die immer noch nicht kapiert, daß es so gut wie keinen Hausärztenachwuchs mehr gibt?

Wer soll den da runnen? Ist ja keiner mehr da.

Sonderberichte zum Thema

Vitamin-B12-Mangel

Frühzeitig erkennen, gezielt therapieren

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Wörwag Pharma GmbH & Co. KG, Böblingen
 Abb. 1: Anwendung von Ruxolitinib-Creme bei mittelschwerer AD

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [1,8]

Ruxolitinib-Creme bei mittelschwerer AD

Topische steroidfreie Behandlungsoption bei atopischer Dermatitis

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Incyte Biosciences Germany GmbH, München
Abb. 1: Impfstoffeffektivität gegen Post COVID-Beschwerden

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [14]

Jährliche COVID-19-Impfung

Empfohlen für ein breites Risikokollektiv

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: BioNTech Europe GmbH, Mainz
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Jurist im Interview

Es droht ein Strafverfahren? Mit diesen Tipps sind Ärztinnen und Ärzte gerüstet

Lesetipps
Das Wort oder die Wortgruppe „Betablocker“ im Wörterbuch.

© sharafmaksumov / stock.adobe.com

REBOOT-Studie

Betablocker nach Herzinfarkt oft überflüssig

Ein Mann inhaliert

© Angelov / Stock.adobe.com

Fünf Säulen der Behandlung

COPD: Das empfiehlt die aktualisierte Leitlinie