Altenpflege im Norden

Mehr offene Stellen als Arbeitslose

Der Landespflegekongress in Kiel offenbarte: Pflegeeinrichtungen im Norden haben praktisch keine Personalauswahl. Vertreter der Zunft sehen die Lösung des Problems allerdings nicht in der Kompensation durch ausländische Kollegen.

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KIEL. Bevor ausländische Kollegen nach Deutschland geholt werden, wollen inländische Pflegekräfte zunächst die Rahmenbedingungen verbessert sehen. Dies wurde auf dem schleswig-holsteinischen Landespflegekongress in Kiel deutlich.

Viele der über 300 Kranken, Alten- und Kinderkrankenpflegekräfte forderten vor einer Anwerbung ausländischer Kollegen ein Umfeld, das den Beruf für den Nachwuchs attraktiver macht. Dazu gehört nach Auffassung vieler Teilnehmer in erster Linie ein Personalschlüssel, der die Arbeitsverdichtung wieder auf ein erträgliches Maß zurückschraubt.

Derzeit haben Pflegeeinrichtungen im Norden praktisch keine Personalauswahl mehr, wie Melanie Sonneborn von der Bundesagentur für Arbeit zeigte. Nach ihren Angaben standen im vergangenen Jahr 165 arbeitslosen Altenpflegern in Schleswig-Holstein 450 offene Stellen gegenüber. 232 davon waren länger als drei Monate unbesetzt.

In der Krankenpflege gab es 321 Arbeitslose bei 431 offenen Stellen im nördlichsten Bundesland. 151 waren länger als ein Vierteljahr unbesetzt. Um die Situation zu entschärfen, könnte nach ihrer Ansicht beispielsweise die Arbeitszeit der vielen Teilzeitbeschäftigten in der Pflege erhöht werden.

Eine Entlastung könnte auch erfolgen, in dem die Erwerbspartizipation der Menschen über 55 im Beruf steigt.

Spanier fühlen sich unterfordert

Eine Anwerbung ausländischer Pflegekräfte auf breiter Front hat im Norden bislang noch nicht stattgefunden. Bundesweit gibt es aber einige Pilotprojekte, wie Meiko Merda vom Berliner Institut für Europäische Gesundheits- und Sozialwirtschaft deutlich machte.

Er schätzt das Zuwanderungspotenzial aus europäischen Staaten eher gering ein, weil die demografische Situation fast überall mit der in Deutschland vergleichbar ist. Hinzu kommt, dass Pflege in vielen EU-Staaten eine akademische Ausbildung hat.

Daraus resultiert ein anderes Rollenverständnis: Manche aus Spanien angeworbene Kräfte vermissen eigenverantwortliches Arbeiten und fühlen sich zum Teil unterfordert in Deutschland.

Anders sind die Voraussetzungen mit Pflegekräften aus Südostasien. Hier sind die Sprachbarrieren und die kulturellen Unterschiede groß. Es mangelt aber nicht an Erwerbstätigen. Manche Pflegekräfte könnten sich auch wegen der Lohnunterschiede und der Entwicklungsmöglichkeiten Leben und Arbeiten in Deutschland vorstellen, so Merda.

Er verwies auf schon bestehende Pilotprojekte mit Pflegekräften aus China und Vietnam. Dabei müssten sich die Einrichtungen aber Herausforderungen wie Kontaktanbahnung, Einreisemodalitäten und Integration stellen.

Merda riet dazu, sich hierfür mit anderen Gesundheitseinrichtungen zu vernetzen: "Rekrutierung, Integration und Begleitung lassen sich im Netzwerk besser organisieren und finanzieren." (di)

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