Wettbewerb unter Kassen

Morbi-RSA bleibt Stein des Anstoßes

Wettbewerb unter Krankenkassen ist Konsens, die Ausgestaltung aber nicht. So sieht Bayern sich beim Morbi-RSA benachteiligt und fordert einen Regionalfaktor, damit nicht zu viel Geld abfließt.

Von Jürgen Stoschek Veröffentlicht:

NÜRNBERG. In einem Gesundheitssystem ohne Wettbewerb gäbe es keine Wahlfreiheit, und die Patienten würden zu Bittstellern, so der Vorstandsvorsitzende der DAK, Professor Herbert Rebscher, bei einer Expertentagung seiner Kasse in Nürnberg.

Wenn es keinen Wettbewerb gäbe, würde die Regierung bestimmen, was die beste Lösung ist. Ob dadurch Fortschritt möglich wäre, müsse allerdings bezweifelt werden, meinte Rebscher.

Der Wettbewerb in einem solidarischen Gesundheitswesen müsse Suchprozesse für bessere Versorgungslösungen initiieren.

Probleme auf Politik abgewälzt?

Voraussetzung dafür sei aber ein klarer ordnungspolitischer Rahmen und die Bereitschaft der Selbstverwaltung, sich an wettbewerblichen Suchprozessen zu beteiligen.

Allzuoft habe sich die Selbstverwaltung dieser Herausforderung entzogen und die Probleme "der Politik vor die Füße geworfen", kritisierte der DAK-Chef.

Zu den Eckpunkten einer solidarischen Wettbewerbsordnung gehören nach Rebschers Ansicht neben der Beitragsautonomie der Kassen und einer verlässlichen Finanzierung versicherungsfremder Leistungen auch eine Weiterentwicklung des morbiditätsorientierten Risikostrukturausgleichs (Morbi-RSA).

Zwingende Voraussetzung für einen Wettbewerb um eine bessere Versorgung sei der Einbezug aller Krankheiten in den RSA, die Einführung eines Hochrisikopools und von Zuschlägen für hohe Akutkosten bei chronischen Erkrankungen.

Nötig sei auch eine angemessene Berücksichtigung der Morbidität bei den Verwaltungskosten der Kassen.

"In höchstem Maße ungerecht"

Für mehr wettbewerbliche Elemente sprach sich auch Bayerns Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) aus. Dazu bedürfe es aber fairer Rahmenbedingungen.

Bei den Zuweisungen aus dem Gesundheitsfonds seien diese Voraussetzungen derzeit nicht erfüllt.

"Jedes Jahr steigt der Abfluss von Beitragsgeldern der GKV aus Bayern. Im Gegenzug erhalten die Krankenkassen im Freistaat aus dem Gesundheitsfonds aber zu wenig Mittel, um ihre Leistungsausgaben für die bayerischen Versicherten zu decken. Das ist in höchstem Maße ungerecht", kritisierte Huml.

Deshalb werde sie sich für die Einführung eines Regionalfaktors im Morbi-RSA starkmachen.

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