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Nutzenbewertung

Onkologen kritisieren GBA-Beschlüsse

Als neben der Realität liegend haben DGHO und AIO Nutzenbewertungsbeschlüsse des GBA kritisiert.

Veröffentlicht:

BERLIN. Anlässlich "überraschend negativer Festlegungen" des GBA bei der frühen Nutzenbewertung warnen die Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und Onkologie (DGHO) und die Arbeitsgemeinschaft für Internistische Onkologie (AIO) vor "sich andeutenden Fehlentwicklungen".

Anlass dazu sind drei Bewertungsverfahren, bei denen der GBA im September zu dem Ergebnis gekommen war, keinen Zusatznutzen anzuerkennen. Betroffen sind Ramucirumab beim Dickdarmkrebs und Lungenkrebs sowie Necitumumab beim Lungenkarzinom.

Die Fachgesellschaften weisen darauf hin, dass die Kombination der neuen Antikörper mit konventioneller Chemotherapie in großen randomisierten Studien zu einer signifikanten Verlängerung der mittleren Überlebenszeit um 14 bis 21 Prozent im Vergleich zu alleiniger Chemotherapie geführt habe.

Über Nebenwirkungen aufgeklärt

Allerdings sei die Gabe dieser Antikörper mit Nebenwirkungen verbunden: Abfall weißer Blutkörperchen, Fatigue und erhöhtem Blutdruck sowie Hautreaktionen. Über diese Nebenwirkungen würden Patienten ausführlich aufgeklärt, damit sie Nutzen und Schaden einer Therapie individuell für sich abwägen könnten.

Auch sei ein Abbruch der Therapie möglich. Kritisiert wird, dass der GBA nicht aus der individuellen Patientensicht entschieden habe, sondern generell nach der Formel "Verlängerung der Überlebenszeit minus Nebenwirkungen gleich Zusatznutzen nicht belegt" eine Saldierung vorgenommen habe.

Ähnlich sei der GBA schon bei der Bewertung von Regorafenib bei Dickdarmkrebs vorgegangen, so Professor Carsten Bokemeyer von der DGHO. Bei Idelalisib, so Professor Michael Hallek, würden in Patienten-Subgruppen mit CLL Remissionsraten von bis 80 Prozent erreicht. Das habe der GBA nicht anerkannt.

Auch bei Osimertinib gegen einen spezischen Lungenkrebs-Typ habe der GBA nicht gesehen, dass bei spezifischen Patientengruppen eine Ansprechrate von 60 Prozent und eine progressionsfreie Überlebenszeit von fast zehn Monaten erreicht worden sei. (HL)

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