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Kommentar

Rechenspiele ohne Bodenhaftung

Florian StaeckVon Florian Staeck Veröffentlicht:

Die Vogelperspektive hat Vorzüge: Aus großer Höhe hat man einen guten Überblick, nur die Details verschwinden aus dem Blick. Die Umfrage zu Sprechzeiten vor allem von Hausärzten, die vom GKV-Spitzenverband in Auftrag gegeben worden ist, leidet unter diesem Mangel.

Die Botschaft der Kassen ist klar: Wenn Ärzte ihre Praxen länger als im Schnitt 28,5 Stunden pro Woche aufmachten, würde die Diskussion über Ärztemangel verstummen. Folgerichtig spricht Doris Pfeiffer, Chefin des Spitzenverbands, auch von "gefühlter Unterversorgung".

Dass die Kassen ihre aus dem Dezember 2009 stammende Umfrage gerade jetzt aus der Schublade holen, ist kein Wunder. Am Mittwoch tagen die Gesundheitsminister der Länder und fordern ein Mitspracherecht, wo wie viele Praxen betrieben werden.

Längst haben vielerorts besorgte Bürgermeister ihre Länderfürsten für Versorgungsengpässe sensibilisiert. Den Kassen aber passt eine "Politisierung" der Bedarfsplanung gar nicht. Die Vogelperspektive des GKV-Spitzenverbands vernachlässigt zudem die immer größere Rolle von Frauen in der vertragsärztlichen Versorgung.

 Im Ergebnis gehen die Rechenspiele der Kassen an der Versorgungsrealität gerade auf dem Land vorbei.

Lesen Sie dazu auch: Kassen werfen Ärzten laxe Arbeitsmoral vor

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Dr. Thomas Georg Schätzler 05.04.201114:46 Uhr

„Über den Wolken …“

Wenn es wenigstens nur fehlende Bodenhaftung wäre! Wenn die GKV-Fürstinnen und Fürsten doch nur nachdenken oder die Klappe halten könnten, bevor sie unnötige Rede führten.

Doch sie sitzen in ihren klimatisierten Elfenbeintürmen, ihre stereotypen Chefbüros nach Feng-Shui ausgerichtet. Ihr medizinisches Halbwissen stammt meist aus Lehrgängen für Sozialversicherungsfach-angestellte oder Krankenhaus- und Praxisbesuchen im Rahmen berufsbegleitender gesundheitsökonomischer Seminare in Kiel, Bayreuth, Dortmund, Tutzing und anderswo.

"Emergency-Room" ist intellektuelle Überforderung, Tierärzte-"Soaps" reichen für eine gepflegte Halbbildung aus. Das notwendige Restwissen gab und gibt''s in der "Schwarzwaldklinik", oder in Schmonzetten wie "Praxis Bülowbogen" und den zahlreichen "Landarzt"-Variationen.

Dass allerdings auf den Praxisschildern angegebene "Sprechzeiten" reine Einlasszeiten sind, so wie bei Lehrerinnen und Lehrern die Unterrichtsstunden in der Schule nicht als Brutto-Jahresarbeitsleistung gelten können, muss wohl in der GKV erst verinnerlicht werden.

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund

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