Erhöhung der Pflegebeitragssätze

Reicht das Geld durch jetzt bis 2022?

Veröffentlicht: 26.11.2018, 08:08 Uhr

BERLIN. Die geplante Anhebung der Pflegebeitragssätze um 0,5 Prozentpunkte wird bei der Anhörung im Gesundheitsausschuss am Montag auf ein gemischtes Echo stoßen. Der Arbeitgeberverband BDA sieht darin eine „schwere Hypothek“ für die dauerhafte Finanzierbarkeit der Sozialversicherungen, heißt es in der Stellungnahme.

Seit Jahren fordert der BDA ein vom Arbeitsverhältnis abgekoppeltes Prämienmodell – ähnlich wie die Kopfpauschale in der GKV. In milderem Ton mahnt der GKV-Spitzenverband, die Anhebung des Beitragssatzes in kurzen Abständen dürfe „nicht zur Regel werden“.

Unsicherheiten sehen die Kassen, ob die finanziellen Folgen der 2017 in Kraft getretenen Pflegereform „valide abschätzbar sind“. Dennoch gehen sie davon aus, dass nach der kräftigen Anhebung im Januar der Finanzbedarf der Pflegekassen „bis voraussichtlich 2022 sichergestellt werden kann“.

Erneut drängt der GKV-Spitzenverband in seiner Stellungnahme darauf, auch Steuergeld als Finanzierungsquelle heranzuziehen. Für das laufende Jahr wird das Volumen der versicherungsfremden Leistungen auf 2,7 Milliarden Euro geschätzt. Das entspreche 0,2 Beitragspunkten heißt es.

Weitere Mehrausgaben erwartet

Indes geht der Paritätische Gesamtverband von weiteren Mehrausgaben durch die Reformen von sechs bis zehn Milliarden Euro aus.

Hinzu komme ein strukturelles Finanzierungsproblem: Im Jahr 1999 hätten in Pflegestufe 1 Leistungen der Pflegeversicherung noch 88 Prozent der pflegebedingten Aufwendungen abgedeckt, im Jahr 2013 waren es nur noch 72 Prozent.

Trotz der jüngsten Reformen stiegen die Eigenanteile der Versicherten wieder. Damit stelle Pflege nach wie vor ein Armutsrisiko dar.

Um dies zu verhindern, müsse die Pflegeversicherung einen Deckungsgrad von 85 Prozent der Kosten sicherstellen. Dafür müsse das Pflegerisiko auf „breitere Schultern“ verteilt werden – durch eine höhere Beitragsbemessungsgrundlage und den Einbezug weiterer Einkommensarten. (fst)

Mehr zum Thema

„Vorreiterrolle“

Niedersachsen weitet präventive Corona-Tests aus

Schlagworte
Kommentare

Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar verfassen zu können.
Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Newsletter bestellen »

Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte, Medizinstudenten, MFA und weitere Personengruppen viele Vorteile.

Die Anmeldung ist mit wenigen Klicks erledigt.

Jetzt anmelden / registrieren »

Top-Meldungen
Zwei große COVID-19-Studien zurückgezogen

Hydroxychloroquin und Antihypertensiva

Zwei große COVID-19-Studien zurückgezogen

Diese Website verwendet Cookies. Weitere Informationen zu Cookies und und insbesondere dazu, wie Sie deren Verwendung widersprechen können, finden Sie in unseren Datenschutzhinweisen.  Verstanden