Sachsen baut stufenweise Ethikberatung auf

DRESDEN(tra). Die sächsische Ärztekammer baut als erste eine Ethikberatung auch für niedergelassene Ärzte auf und folgt damit einer Empfehlung des letztjährigen Ärztetages.

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Ein Stufenmodell, das unterschiedliche Versorgungsstrukturen in Städten und auf dem Land berücksichtigt, soll bis zum Herbst erarbeitet werden, kündigte der Präsident der Landesärztekammer, Professor Jan Schulze, im Gespräch mit der "Ärzte Zeitung" an. Offen ist noch, ob Hausärzte künftig Komitees an Kliniken konsultieren sollen oder ob dafür eigene Gremien eingerichtet werden.

Die Kammer begründet ihre Initiative damit, dass aus wirtschaftlichen Gründen künftig Leistungen rationiert werden könnten. Auch Hausärzte würden dann vor neuartigen Problemen stehen.

Ärzte in Kliniken können sich in komplexen Entscheidungssituationen von Ethikkomitees beraten lassen. Beteiligt sind behandelnde Ärzte, Pflegekräfte, Seelsorger, eventuell auch Patientenvertreter. Ihr Votum ersetzt die Entscheidung des verantwortlichen Mediziners nicht.

Niedergelassene Ärzte können solche Komitees nur in Ausnahmefällen anrufen. Das soll sich in Sachsen ändern. So entsteht am Leipziger St. Elisabeth Krankenhaus nach Angaben von Dr. Andreas von Aretin, Chefarzt der Inneren Medizin II, ein Komitee unter Hausarztbeteiligung.

Auch Hausärzte können sich Rat holen.

Professor Frank Oehmichen von der Bavaria Klinik Kreischa plädierte bei einem Workshop in Dresden für flächendeckende Anlaufstellen. Er relativiert allerdings auch das Problem: "Viele Ethikfragen sind bei näherem Hinsehen Fachfragen", so Oehmichen.

Dr. Thomas Lipp aus Leipzig sieht in der Ethikberatung eine Chance, das Vertrauensverhältnis zwischen Patienten und Arzt zu stärken. Der Arzt habe eine Möglichkeit, sich auch im Einzelfall gründlich und interdisziplinär mit einem Problem auseinanderzusetzen.

Ethikberatung kann auch Patienten oder Angehörigen Entscheidungen über Therapien leichter machen, meint Professor Andreas Heller, Spezialist für Organisationsethik von der Universität Klagenfurt. "Patienten müssen heutzutage oft entscheiden, wenn sie dazu aus gesundheitlichen Gründen gar nicht in der Lage sind und Fürsorge brauchen", kritisierte er in Dresden.

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