Notbeauftragung in Thüringen

Schlagabtausch via Briefen

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Der Streit um die Notbeauftragung von Ärzten in Thüringen wird rauer: Die KV und der Hartmannbund liefern sich einen Briefwechsel der besonderen Art.

Von Robert Büssow

WEIMAR. Der Ton im Konflikt um die Notbeauftragung von Ärzten in Thüringen verschärft sich.

In offenen Briefen haben sich die zweiten Vorsitzenden der KV Thüringen, Thomas Schröter, und des Hartmannbundes, Jörg Müller, einen Schlagabtausch geliefert.

Schröter verteidigt die Zuteilung von Patienten, die in keiner Praxis ihrer Umgebung aufgenommen wurden. Man habe auf die Hilferufe reagieren müssen. Zumal die KV gleichzeitig auf das Phänomen "ungenutzter Kapazitäten" gestoßen sei.

Es gebe eine "Reihe von Praxen mit geringeren Patientenzahlen bei vergleichbarem Spektrum" benachbarter Vollversorgerpraxen. Sehr häufig handele es sich um Arztsitze mit angestellten Ärzten.

"Diese blockieren dann weitere Neuzulassungen oder die Ermächtigung von Krankenhausärzten", so Schröter weiter. Konkret hatten sich etwa 40 Patienten gemeldet, die keinen Haus- oder Augenarzt gefunden haben.

Fakten und Zahlen gefordert

Dem Thüringer Hartmannbund sind die Aussagen der KV viel zu schwammig. Vize-Chef Müller, selbst Augenarzt in Gera, fordert "Fakten und Zahlen" in seinem offenen Antwortbrief. Er hätte sich zunächst einen Dialog mit den beauftragten Praxen gewünscht.

Er sei zudem "auf das Höchste besorgt und alarmiert" über Schröters Aussage, die KV vertrete "vornehmlich die Interessen jener Mitglieder, die jeden Tag mit vollem Einsatz überdurchschnittliche Leistungen erbringen".

Für Müller alles ehrenwerte Kollegen, er könne jedoch nur davor warnen, "die Überdurchschnittlichkeit zum Maßstab zu erheben".

Schröter zufolge versorgen Thüringer Haus- und Fachärzte im Schnitt ein Drittel mehr Patienten als in den alten Bundesländern - viele "bis an die Grenze zur Erschöpfung".

Umso mehr ärgern ihn die schwarzen Schafe. Die Notbeauftragung sei zwar unpopulär, aber es werde auch künftig keine Denkverbote geben.

Schwarze Schafe bekämpfen

Eine Idee hat er bereits: Vielleicht seien Bonus-Malus-Regelungen in der Honorarverteilung ein noch stärkerer Anreiz. In jedem Fall dürfe die Freiheit eines Vertragsarztes "nicht unbegrenzt" ausgenutzt werden, so Schröter.

Vor allem, wenn sie sich "zum Schaden des Ansehens oder zum wirtschaftlichen Nachteil der Gemeinschaft aller Vertragsärzte" auszuwirken drohe.

In diesem Punkt liegt er mit Müller auf einer Linie: Sollten sich solche Verdachtsfälle erhärten, müsse mit allen berufs- und vertragsrechtlichen Mitteln reagiert werden.

Bei einem Treffen mit Vertretern der KV-Regionalstellen und der freien ärztlichen Berufsverbände will sich die Kassenärztliche Vereinigung am Mittwoch über die Notbeauftragung austauschen.

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