"Sie müssen sich wehren, Lärm machen!"

HAMBURG (di). Der Patient wird zum Kunden, der Arzt zum Fallpauschalenjongleur - diese Entwicklung im Gesundheitswesen hat der CDU-Politiker und frühere Bundesgesundheitsminister Dr. Heiner Geißler beim Gesundheitspflege-Kongress in Hamburg angeprangert.

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Je weniger ein Mensch produziert und je mehr er kostet, desto wertloser wird er für die Gesellschaft - dieses rein fiskalische Menschenbild beobachtet Geißler zunehmend auch im Gesundheitswesen. Wo aber die Ökonomie zum allein entscheidenden Faktor wird und ethische Fragen in den Hintergrund treten, geraten die Beschäftigten in die Rolle von Sklaven eines von Geißler heftig kritisierten Systems.

Geißler sprach sich deshalb für eine Abkehr vom derzeitigen System aus - hin zu einer Neuordnung, bei der Solidarität und Nächstenliebe im Vordergrund stehen. "Das ist nichts, was nicht in die Zeit passt und was sich irgendwelche Gutmenschen ausgedacht haben", sagte Geißler. Er zeigt sich überzeugt, dass eine weitere Ökonomisierung des Gesundheitswesens zu Verwerfungen führen wird, die Patienten und Beschäftigte in eine Rolle drängen, die einem vergleichsweise reichen Land wie in Deutschland nicht würdig ist. Dass für einen zentralen Bereich wie das Gesundheitswesen nicht ausreichend Mittel zur Verfügung stehen sollen, lässt Geißler nicht gelten: "Es gibt Geld wie Heu." Um den ökonomischen Zwängen zu begegnen, ist nach seiner Ansicht eine Rückkehr zur sozialen Marktwirtschaft in Deutschland notwendig: "Kapitalismus ist genauso falsch wie Kommunismus. Wir brauchen einen Weg der Mitte", sagte Geißler.

Er hofft, dass bei diesem System wieder der Mensch in den Mittelpunkt rückt und das eingesetzte Kapital dem Menschen dienen kann - und nicht umgekehrt. Besonders für das Gesundheitswesen hält er diese Neuordnung für notwendig. Denn angesichts der steigenden Herausforderungen plädiert Geißler für mehr Mittel, statt weiterer Kostendämpfungen: "Es ist schiere Dummheit, das System aus ökonomischen Zwängen zu strangulieren." Nur: Auf Einsicht der Politiker sollten die Beschäftigten nicht hoffen. Nötig sei Druck von der Straße, wie ihn die Großdemonstration der Klinikmitarbeiter in Berlin erzeugt habe: "Sie müssen sich wehren, streiten, Lärm machen. Gehen Sie auf die Straße, sonst werden Sie nicht gehört".

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