Direkt zum Inhaltsbereich

Persönlich betroffen

Steinmeier für Widerspruchslösung bei Organspende

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier plädiert für eine Reform der Organspende-Regelung in Deutschland – und äußert sich dabei auch privat.

Veröffentlicht:
Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat seiner Frau Elke Büdenbender eine Niere gespendet. Beide setzen sich für die Widerspruchslösung ein.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat seiner Frau Elke Büdenbender eine Niere gespendet. Beide setzen sich für die Widerspruchslösung ein.

© Bernd Elmenthaler/Geisler-Fotopress/picture alliance

Berlin. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier spricht sich für eine Widerspruchslösung bei der Organspende aus – und erzählt gemeinsam mit seiner Frau eine persönliche Geschichte.

Es sei „ein Widerspruch, wenn wir die Widerspruchslösung im eigenen Land ablehnen und zugleich die Organe aus den anderen Ländern gerne annehmen. Wir begreifen uns als verantwortungsbewusste, mündige Bürger, deshalb können wir uns auch abverlangen, eine Entscheidung zu treffen“, sagte Steinmeier dem Magazin „Bunte“ in einem gemeinsamen Interview mit seiner Frau Elke Büdenbender.

Lesen sie auch

Bisher habe man die Menschen in Deutschland nicht ausreichend überzeugen können, sich für oder gegen eine Organspende auszusprechen, so der Bundespräsident. Zur selben Zeit profitiere man aber durch den Eurotransplant-Verbund von der deutlich höheren Spendenbereitschaft im europäischen Ausland.

Spende muss freiwillig bleiben

Man wolle niemanden zur Organspende nach dem Tod zwingen, „sie ist freiwillig und muss freiwillig bleiben“. Jährlich stürben jedoch viele Menschen, „die nicht sterben müssten, wenn Organe zur Verfügung stünden“, sagte Steinmeier.

Derzeit sind Organentnahmen in Deutschland nur mit ausdrücklicher Zustimmung erlaubt. In einigen Ländern gilt hingegen die Widerspruchslösung: Die Entnahme der Organe nach dem Tod ist erlaubt, sofern man zu Lebzeiten nicht ausdrücklich widerspricht. Ein erster Anlauf für eine Widerspruchslösung war 2020 im Bundestag gescheitert.

Lesen sie auch

Büdenbender zufolge zögern viele Menschen, sich „mit der eigenen Endlichkeit zu befassen und schieben deshalb eine Entscheidung über Organspenden hinaus“. Sie könne das gut nachvollziehen. 2010 spendete der Bundespräsident seiner Frau eine Niere. Bei der Geburt der Tochter Merit im Jahr 1996 hatte Büdenbender einen Totalausfall der Nieren erlitten, 14 Jahre danach wurde eine Transplantation notwendig, wie das Paar erzählte.

„Als Betroffene kann ich sagen: Die Spende hat mir ein Leben geschenkt. Ich denke, dass man durch Aufklärungsgespräche überzeugen kann“, sagte die Richterin und First Lady. Schon direkt nach der Geburt der Tochter sei für ihren Ehemann klar gewesen, dass er seine Niere spenden wolle. Heute sei das Organ ihres Mannes „ein Teil von mir“. (dpa)

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Kolumne „Hörsaalgeflüster“

Wenn Schweigen Leben kostet

Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Kleine konkrete Schritte

So lassen sich Patienten zu mehr Therapieadhärenz motivieren

Lesetipps
KI erleichtert Hackern Angriffe ernorm. Praxen sollten zumindest einmal überlegen, ob sie sich gegen solche Störungen absichern wollen, etwa mit Blick auf den Betriebsstillstand.

© Klaus Ohlenschläger / picture alliance

Für wenige Hundert Euro im Jahr

Warum Ärzte über eine Cyberversicherung nachdenken sollten

An Asian senior man’s hand relax on the bed side while sleeping

© Reagan Liew Zhi Sin / Getty Images / iStock

Pflichten, Abrechnung und Angehörigenwünsche

Worauf es bei der ärztlichen Leichenschau ankommt