Berufspolitik

Streit um Versorgung psychisch kranker Kinder

KÖLN(iss). In den nächsten zwei Jahren sollen mindestens zehn Prozent aller psychotherapeutischen Praxissitze mit Psychotherapeuten besetzt werden, die ausschließlich Kinder und Jugendliche betreuen.

Veröffentlicht: 23.06.2009, 05:00 Uhr

Das hat der Gemeinsame Bundesausschuss (GBA) beschlossen. Danach wird die Quote flächendeckend auf 20 Prozent erhöht.

Nach einer zum 1. Januar 2009 in Kraft getretenen Regelung soll für die Zeit bis Ende 2013 sichergestellt werden, dass mindestens 25 Prozent der psychotherapeutischen Praxissitze den überwiegend oder ausschließlich psychotherapeutisch tätigen Ärzten vorbehalten sind und mindestens 20 Prozent Psychotherapeuten, die nur Kinder und Jugendliche behandeln.

Mit dem Zwischenschritt über die Zehn-Prozent-Regelung will der GBA in den einzelnen Planungsbereichen eine möglichst gleichmäßige Anhebung der Versorgung der Kinder und Jugendlichen erreichen. "Durch die neue Regelung wird die Voraussetzung dafür geschaffen, die tatsächliche Lage der Versorgung wirklichkeitsnah abzubilden und - hierauf aufbauend - die Quote gleichmäßig flächendeckend anzuheben", teilte der GBA mit.

Wird mit der Quote Ausschreibung neuer Praxissitze verschleppt?

Bei der Bundespsychotherapeutenkammer (BPtK) stieß der Beschluss auf scharfe Kritik. Er schaffe eine neue Hürde, mit der die Ausschreibung neuer Praxissitze weiter verschleppt werde. "Diese Zehn-Prozent-Stufung verhindert eine schnelle und bessere flächendeckende Versorgung von psychisch kranken Kindern und Jugendlichen, die seit Jahren dringend erforderlich ist", sagt BPtK-Präsident Professor Rainer Richter.

Wegen der Besonderheiten der Bedarfsplanung könnten jetzt hauptsächlich in den bereits gut versorgten Städten zusätzliche Praxen für Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie öffnen, während die eher schlecht versorgten ländlichen Gebiete weiter auf neue Behandlungsplätze warten müssten.

"Der GBA konserviert die schlechte Versorgung von psychisch kranken Kindern und Jugendlichen. Der Gesetzgeber wollte sie verbessern", sagt die Präsidentin der nordrhein-westfälischen Psychotherapeutenkammer Monika Konitzer.

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