Der Standpunkt

Testfall Stuttgart

Von Wolfgang van den Bergh Veröffentlicht: 29.10.2010, 05:00 Uhr

Der Autor ist Chefredakteur der "Ärzte Zeitung". Schreiben Sie ihm: vdb@springer.com

Mit der Neuwahl der Stuttgarter Führungsspitze beginnt in Baden-Württemberg ein neues KV-Zeitalter. Dort soll das gelingen, was von der Bundes-KV seit Jahren bekämpft wird: ein Nebeneinander von Selektiv- und Kollektivverträgen. Überall, wo Selektivverträge als echte Versorger- und nicht als Add-on-Verträge installiert worden sind, liegen Verbände und Körperschaften über Kreuz.

Es war der ausdrückliche Wunsch der Politik, das Versorgungssystem über Selektivverträge flexibler und für junge Ärzte attraktiver zu gestalten. Die KVen werteten dies als Frontalangriff auf die Körperschaft.

Die sich daran entzündeten Auseinandersetzungen sind bekannt und haben etwa zum Bruch zwischen dem Hausärzteverband und der KBV geführt. Im gleichen Atemzug wurde und wird das Klagelied von einer sich dramatisch verschlechternden Versorgungssituation gesungen und auf die Politik gezeigt.

Jetzt gibt es die Chance, ernsthaft zu erproben, ob KV, Medi, Haus- und Facharztverbände eine Blaupause für neue Versorgungsformen erstellen können. Viele Ärzte in Baden-Württemberg hoffen, dass sich aus den KV-internen Querelen eine produktive Unruhe entwickelt. Voraussetzung: Die neue KV-Spitze darf nicht zum verlängerten Arm der Verbände degenerieren.

Und: Die Politik sollte das neue KV-Zeitalter positiv begleiten. Die aktuelle Initiative der Länder, etwa bei allen Selektivverträgen ein Wörtchen mitreden zu wollen, geht völlig an der Sache vorbei.

Es waren just die Länder, die sich in den vergangenen Jahren mehr und mehr auf den Streit mit dem Bund konzentriert haben, als sich sinnvollerweise an der Problemlösung im eigenen Land zu beteiligen.

Baden-Württemberg könnte zum Testfall werden. In den 90er Jahren sorgten die damals noch vier KVen im Südwesten für Schlagzeilen, als Ärzte den Mut hatten, neue Vergütungsmodelle zu erproben. Ziel war damals, stärker der realen Versorgungssituation der Ärzte Rechnung zu tragen. Genau vor dieser Herausforderung steht - unter neuen Vorzeichen - nun auch der frisch gewählte KV-Vorstand.

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