DAK-Chef über Präventionsdebatte

"Wir machen einen Riesenfehler"

Muss Prävention neu gedacht werden? Auf dem Gesundheitswirtschaftskongress wurden Alternativen diskutiert.

Veröffentlicht: 21.09.2015, 13:20 Uhr

HAMBURG. Prävention muss in Deutschland unter anderen Vorzeichen als bislang bewertet werden. Eine ökonomische Argumentation wird nach Ansicht von Professor Herbert Rebscher scheitern - besser wäre es, Gesundheit als Wert an sich zu begreifen.

"Wir machen einen Riesenfehler in der Debatte", warnte Rebscher auf dem Hamburger Gesundheitswirtschaftskongress bei einer Diskussionsveranstaltung zum Thema Prävention.

Er plädierte dafür, den Eigenwert der Prävention in den Mittelpunkt zu stellen und nicht länger auf die erhofften Kosteneinsparungen zu schielen. "Wenn man Prävention mit den falschen Argumenten belegt, muss man sich nicht wundern, wenn man scheitert."

Der DAK-Vorstandschef bezweifelt, dass Prävention in Deutschland auf breiter Front funktioniert. Auch Wachstumszahlen aus dem zweiten Gesundheitsmarkt überzeugen ihn nicht davon, dass sich die Bevölkerung etwa mehr bewegt.

Die seit Jahren anhaltenden Zuwachsraten in der Fitnessbranche sind für ihn kein Indiz - schließlich geht diese Entwicklung einher mit weniger Mitgliedern in Sportvereinen, weniger Schulsport und weniger Schwimmbädern, gab Rebscher zu bedenken.

"Das sind also Wachstumszahlen aufgrund von Rückzugsgefechten in anderen Strukturen", meint Rebscher.

"Komplett versagt aus Ignoranz"

Ein noch härteres Urteil fällte Dr. Markus Müschenich. Der Arzt und Vorsitzende des Bundesverbandes Internetmedizin sagte: "Wir haben nichts auf die Reihe gekriegt. Komplett versagt aus Ignoranz."

Aus seiner Sicht ist in Deutschland ein Neustart für die Prävention erforderlich. Die noch nicht überarbeitete WHO-Definition von Gesundheit als Abwesenheit von Krankheit zeigt nach seiner Meinung, dass Prävention "neu gedacht" werden muss. Dazu gehöre auch die Unterstützung elektronischer Medien, etwa durch Apps.

Start-up-Unternehmer Manouchehr Shamsrizi berichtete, dass die Integration von Bewegung in elektronische Spiele für Jugendliche einen großen Anreiz darstelle.

Angesichts der vielen Stunden, die Jugendliche mit Computerspielen verbringen, könnte hier ein Ansatz liegen, die mangelnde Bewegung wieder auszugleichen. (di)

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