Subjektive Einschätzung

Datenauswertung: Zugewanderte schätzen ihre Gesundheit besser ein als die deutsche Bevölkerung

Laut einer Auswertung des Sachverständigenrats für Integration und Migration halten sich Menschen mit Migrationshintergrund für gesünder als die Deutschen. Im Alter kehrt sich dies jedoch um.

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Wenige Jahre nach ihrer Einwanderung fühlen sich Zugewanderte noch gesünder als die deutsche Bevölkerung.

Wenige Jahre nach ihrer Einwanderung fühlen sich Zugewanderte noch gesünder als die deutsche Bevölkerung.

© Wolfram Kastl / dpa / picture alliance

Berlin. Zugewanderte und ihre Nachkommen schätzen ihre Gesundheit besser ein als die Bevölkerung in Deutschland. Das hat eine Auswertung des Sachverständigenrats für Integration und Migration (SVR) aus Daten des SVR-Integrationsbarometer 2024 ergeben, die am Mittwoch veröffentlicht wurde. Im höheren Alter kehre sich diese Einschätzung jedoch um. Dies hänge vor allem mit sozioökonomischen Faktoren zusammen, aber auch mit Diskriminierungserfahrungen.

„Menschen mit Migrationshintergrund und insbesondere Zugewanderte berichten in jüngeren Altersstufen und vor allem in den ersten Jahren nach ihrer Ankunft häufiger von einer guten oder sehr guten Gesundheit als die Bevölkerung im Aufnahmeland – trotz einer schlechteren sozioökonomischen Lage. Dieser Gesundheitsvorteil kehrt sich allerdings mit zunehmendem Alter und längerer Aufenthaltsdauer in Deutschland um“, fasst Autor Maximilian Müller zusammen.

Jeder dritte bezeichnet seinen Gesundheitszustand als sehr gut

So zeigt sich bei einem Blick auf die Aufenthaltsdauer, dass Personen, die erst kürzlich nach Deutschland eingewandert sind (mit bis zu fünf Jahren Aufenthalt), mit rund 79 Prozent deutlich häufiger von einer sehr guten oder guten Gesundheit berichten, als diejenigen, die bereits länger als zehn Jahre in Deutschland leben (67 %). Insgesamt bezeichnen 38 Prozent der Befragten mit einem Migrationshintergrund ihren Gesundheitszustand als „sehr gut“.

Bei den Befragten ohne Migrationshintergrund sind dies nur 29 Prozent. In den Altersgruppen der 18- bis 29-Jährigen, der 30- bis 44-Jährigen und der 45- bis 65-Jährigen geben Befragte mit Migrationshintergrund häufiger eine sehr gute Gesundheit an, während in der höchsten Altersgruppe (65 Jahre und älter) nur 12 Prozent der Befragten mit Migrationshintergrund von einer sehr guten Gesundheit berichten. In der Vergleichsgruppe tun dies 18 Prozent. „Die subjektive Gesundheitseinschätzung zu erheben, ist ein etabliertes Verfahren; es spiegelt den allgemeinen Gesundheitszustand gut wider“, so Müller.

Gesundheitsvorteil kehrt sich um

Der anfängliche Gesundheitsvorteil habe laut SVR verschiedene Gründe: So sind Zugewanderte und ihre Nachkommen im Durchschnitt deutlich jünger. Eine weitere Erklärung: Es entschieden sich vor allem gesündere Menschen entscheiden, auszuwandern, da der Weg und Neuanfang auch Kraft und Ressourcen kosten“, erläutert Sozialwissenschaftler und Demograf Müller.

Der in der Altersgruppe über 65 Jahre deutlich schlechtere Gesundheitszustand bei Menschen mit Zuwanderungsgeschichte hängt wiederum vor allem damit zusammen, dass sie häufiger von Armut betroffen sind, unter belastenden Bedingungen arbeiten bzw. gearbeitet haben und im Durchschnitt ein niedrigeres Bildungsniveau aufweisen. Hinzu kommen weitere Faktoren. „Aus den Analysen ergeben sich Hinweise auf gesundheitliche Ungleichheiten und strukturelle Barrieren.

Wechselwirkungen mit Diskriminierungserfahrungen

So gibt von den Personen, die laut eigener Aussage in den letzten fünf Jahren aufgrund ihrer Herkunft benachteiligt worden sind, gut jede fünfte Person an, Diskriminierung auch im Bereich des Gesundheitswesens erfahren zu haben“, so Müller. Von Diskriminierung betroffen sind hierbei besonders diejenigen, die angeben, aufgrund ihres Aussehens, ihres Akzents oder ihres Namens als ausländisch wahrgenommen zu werden.

„Wer beispielsweise in der ärztlichen Praxis Diskriminierung oder Rassismus erlebt, vermeidet dann aus Angst vor Benachteiligungen weitere Begegnungen. Nach unseren Daten reagieren so mehr als vier von zehn Befragten“, sagt Müller. „In der Summe können sich die Wechselwirkungen zwischen den Effekten der sozialen Lage, Diskriminierungserfahrungen und eingeschränktem Zugang zum Gesundheitssystem gegenseitig verstärken.“ (kaha)

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