Gesundheitswirtschaft
Umfrage: Mehrheit würde statt zum Arzt auch zu Aldi gehen
Apotheken sterben, Arztpraxen sind am Limit. Kann der Einzelhandel Versorgungskapazitäten bereitstellen? Aus Verbrauchersicht jedenfalls könnte er das. Die Akzeptanzprobleme wären eher gering.
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Augenscreening in einer Düsseldorfer dm-Filiale. Der Drogeriekonzern will der Nachfrage nach Gesundheit mehr bieten als Magnesiumtabletten.
© Christoph Reichwein / dpa / picture alliance
München. Die Drogeriemarktkette dm macht es aktuell vor: Der Handel sucht Wachstumschancen im Gesundheitsmarkt – jenseits des obligatorischen Tee- und Nahrungsergänzungsmittelsortiments. Mit Diagnosediensten und Medikamentenversand (aus Tschechien) hat dm erste Schritte zum Aufbau eines „Medizinportfolios“ unternommen. Ob das auf längere Sicht rechtlich und wirtschaftlich Bestand hat, bleibt abzuwarten. Doch prinzipiell fallen Alternativangebote zu Arzt und Apotheker bei den Verbrauchern auf fruchtbaren Boden, wie eine neue Deloitte-Umfrage zeigt.
Die Münchener Unternehmensberatung hat in der ersten Februarwoche dieses Jahres 1.000 Bundesbürger befragt. Die Stichprobe sei hinsichtlich Alter und Geschlecht bevölkerungsrepräsentativ, heißt es. Danach können sich fast zwei Drittel (60 Prozent) der Befragten „grundsätzlich vorstellen, Gesundheitsdienstleistungen wie Augentests oder Blutabnahmen im Einzelhandel wahrzunehmen“. Besonders Drogerien würden als geeignete Unternehmen angesehen (39 Prozent Zustimmung). Einkaufszentren (25 Prozent) oder Supermärkte (17 Prozent) schneiden da schon deutlich schlechter ab.
„Gesundheit“ zieht Kundschaft
Rund ein Drittel (36 Prozent) der Befragten wählte die Antwortoption, solche Früherkennungsangebote ausschließlich in Arztpraxen wahrnehmen zu wollen. Woraus die Berater auf „weiteres Potenzial, aber auch den Bedarf an noch zu leistendem Vertrauensaufbau“ schließen. Immerhin 52 Prozent derjenigen, die nichts dagegen einzuwenden hätten „würden sogar ihr übliches Geschäft wechseln, um eine Gesundheitsdienstleistung im Einzelhandel wahrzunehmen und gleichzeitig ihren Einkauf zu erledigen“, heißt es weiter.
Als stärkste Pro-Argumente werden kürzere Wartezeiten auf einen Termin (47 Prozent), einfachere Terminvereinbarung (34 Prozent) sowie die längeren Öffnungszeiten (32 Prozent) genannt. Gegenargumente derjenigen, die Gesundheitsdienstleistung im Handel rundweg ablehnen, waren Bedenken hinsichtlich der medizinischen Qualität (48 Prozent), mangelndes Vertrauen in den Einzelhandel (16 Prozent) und Hygienebedenken (13 Prozent). (cw)







