Geld und Vermögen

Pfandbrief-Besitzer sind bei Bankenpleite besser geschützt

Besitzer von Pfandbriefen sind seit November besser abgesichert. Das macht die Wertpapiere zu einer Alternative zu Bundesanleihen.

Von Richard Haimann Veröffentlicht:

NEU-ISENBURG. Mit der zu Beginn dieses Monats in Kraft getretenen 180-Tage-Regelung hat die Bundesregierung den Schutz für Pfandbrief-Investoren weiter ausgebaut. "Die Papiere sind damit auch für konservative Privatanleger eine noch attraktivere Alternative zu Bundesanleihen geworden", sagt Folker Hellmeyer, Chefvolkswirt der Bremer Landesbank. Denn die Renditen der Pfandbriefe liegen oberhalb deutscher Staatsanleihen gleicher Laufzeit.

Über Pfandbriefe refinanzieren Banken die von ihnen ausgereichten Darlehen an Immobilienkäufer, Schiffsinvestoren sowie Länder und Kommunen. Seit der Preußenkönig Friedrich der Große 1769 die Anleihen erstmals eingeführt hat, gerieten die Papiere für Investoren nie zum Verlustgeschäft.

Das ist kein Wunder: Zum einen sind die Pfandbriefe mit Grundpfandrechten auf Grundstücke, Schiffe oder Forderungen gegen die öffentliche Hand besichert. Zum anderen können Banken nur solche Kredite über Pfandbriefe refinanzieren, deren Volumen deutlich unter dem Marktwert der gestellten Sicherheiten liegt. So sind für einen Pfandbrief nur Immobilienkredite zulässig, die maximal 60 Prozent des Verkehrswertes eines Hauses umfassen. "Pfandbriefe bieten Anlegern damit eine extrem hohe Werthaltigkeit", sagt Hellmeyer.

Jetzt hat die Bundesregierung den Schutz den Anleger mit der Novellierung des Pfandbriefgesetzes weiter erhöht. Seit Monatsbeginn müssen die emittierenden Banken "jederzeit genügend Liquidität vorrätig halten, um alle Zins- und Rückzahlungsverpflichtungen bei den von ihnen ausgegebenen Pfandbriefen für die folgenden 180 Tage decken zu können", erläutert Otmar Stöcker, Geschäftsführer des Verbands deutscher Pfandbriefbanken (VdP). Bislang mussten die Pfandbriefbanken nur alle Forderungen innerhalb der kommenden 90 Tage abdecken.

Ratingagenturen hielten die bisherige Frist für zu kurz. Sie fürchteten, im Fall der Insolvenz einer Pfandbriefbank könnte die Deckungsmasse nicht ausreichen, um die in den nächsten Monaten fälligen Pfandbriefe zeitgerecht zu bedienen. Mit der Gesetzesnovellierung, urteilt nun die Ratingagentur Fitch in einer neuen Studie, "wurde die Wahrscheinlichkeit für Investoren erhöht, dass sie bei einem Emittentenausfall dennoch weiter Zahlungen aus den Papieren erhalten".

Investoren waren weniger skeptisch als die Ratinghäuser. Wurden im ersten Halbjahr 2008 noch 31,6 Milliarden Euro an neuen Hypothekenpfandbriefen am Kapitalmarkt aufgenommen, waren es in den ersten sechs Monaten 2009 laut VdP-Statistik 35,1 Milliarden Euro. Das liegt auch daran, dass Pfandbriefe derzeit einen um rund 50 Basispunkte höheren Ertrag abwerfen als Bundesanleihen vergleichbarer Laufzeit.

Nach einem Renditevergleich des VdP beträgt der jährliche Durchschnittsertrag von Pfandbriefen mit fünfjähriger Laufzeit aktuell rund 2,94 Prozent gegenüber 2,41 Prozent bei deutschen Staatsanleihen, die 2014 auslaufen. Bei zehnjähriger Laufzeit werfen Pfandbriefe im Schnitt einen jährlichen Zinsertrag von 3,75 Prozent ab, gegenüber nur 3,24 Prozent bei Bundesanleihen.

Fonds für Pfandbriefe

Pfandbriefe werden wie Aktien und Staatsanleihen an den Börsen gehandelt. Mit dem ETF iSahres eb.rexx Jumbo Pfandbriefe von Barclays Global Investors (ISIN: DE0002635265) können Anleger in einen Korb der größten 25 deutschen Pfandbriefe mit einem Volumen von jeweils mindestens zwei Milliarden Euro investieren. Die Zinszahlungen werden jährlich ausgeschüttet. Die Verwaltungsgebühr des passiv gemanagten Fonds beträgt nur 0,09 Prozent. In den vergangenen zwölf Monaten erzielte der Fonds einen Kursgewinn von rund sieben Prozent.

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