Kapitalanlage

Rau(s)chen Bier und Zigaretten an der Börse ab?

Aktien von Zigarettenproduzenten und Brauereien zählen zu den Topempfehlungen von Anlageberatern, weil ihre Dividenden und Kurse in der Vergangenheit stetig gestiegen sind. Doch Profiinvestoren lassen nun die Finger von den Papieren.

Von Richard Haimann Veröffentlicht: 12.11.2018, 05:31 Uhr
Rau(s)chen Bier und Zigaretten an der Börse ab?

Brauereien locken Anleger mit stabilen Gewinnen und attraktiver Dividendenrendite.

© LE image / Fotolia

NEU-ISENBURG. Kein Arzt würde Patienten empfehlen, zu rauchen oder Bier in größeren Maßen zu konsumieren. Doch etliche Mediziner erhalten von ihren Anlageberatern regelmäßig den Rat, Aktien von Zigarettenproduzenten und Brauereien ins Depot zu nehmen. Diese Papiere zählen seit Jahrzehnten zu den renditeträchtigsten Börsenwerten.

Der Aktienkurs des Tabakkonzers Altria Group, zu dessen bekanntesten Zigaretten-Marken Marlboro und L&M zählen, ist in den vergangenen zehn Jahren um 291 Prozent gestiegen. Beim belgischen Brauerei-Konzern Anheuser-Busch InBev, zu dessen deutschen Marken unter anderem Becks, Hasseröder und Spaten-Löwenbräu zählen, beträgt der Kursgewinn im selben Zeitraum 266 Prozent.

Beim niederländischen Mitbewerber Heineken sind es 213 Prozent. Hingegen verzeichnet der deutsche Leitindex Dax in dieser Zeitspanne nur ein Plus von 122 Prozent.

Brauereien leben nicht nur von Bier

Auf den ersten Blick überraschen die hohen Kursgewinne. Schließlich lassen Kampagnen von Regierungen und Gesundheitsbehörden, Steuererhöhungen sowie Appelle von Medizinern den Alkoholika- und Rauchwarenabsatz in Westeuropa und Nordamerika seit Jahren schrumpfen. „Der Pro-Kopf-Konsum von Bier ist in Deutschland seit den 1980er Jahren um rund 30 Prozent gesunken“, sagt Michael Werthmann, Stratege bei der AnCeKa Vermögensberatung in Kaufbeuren. „Doch dies ist für die international tätigen Konzerne im globalen Kontext nicht entscheidend.“

Denn in Asien, Afrika, Lateinamerika und Teilen Osteuropas nimmt der Absatz dieser Genussmittel bislang stetig zu. „Zudem ist klassisches Bier für viele Brauereien nur ein Teil des Geschäftsmodells“, erläutert Karl-Heinz Geiger, Geschäftsführer der SVA Vermögensverwaltung in Stuttgart. „Sie verkaufen genauso Mischgetränke oder Limonaden.“

Dass die großen Anbieter noch gut verdienen, zeigt sich an den stetig steigenden Dividenden, die diese an ihre Aktionäre ausschütten. Die Altria Group hat ihre Dividende in den vergangenen 49 Jahren 53 Mal angehoben, zuletzt in diesem Jahr um stattliche 14,3 Prozent. Auf dem gegenwärtigen Kursniveau beträgt die Dividendenrendite bei Heineken 1,92 Prozent, bei Anheuser-Busch 2,37 Prozent, bei Altria 4,68 Prozent, bei Philip Morris 5,03 Prozent und bei British American Tobacco, zu deren Kern-Zigarettenmarken Dunhill, HB und Prince zählen, sogar 6,01 Prozent.

Entsprechend positiv fallen die Analysteneinschätzungen aus. Allein für die Aktie von British American Tobacco hagelte es im Oktober Kaufempfehlungen von Deutscher Bank, Goldman Sachs, JPMorgan und UBS.

Dennoch stellt sich für viele Privatanleger bei Zigaretten- und Alkoholproduzenten die Frage, ob Investments in deren Aktien ethisch vertretbar sind. Wer deshalb von einem Investment absieht, könnte sich am Ende sogar auf der Gewinnerstrecke wiederfinden. Denn die Zeiten rasanter Kursanstiege bei Nikotin- und Bierfabrikanten sind vorbei.

Die Altria-Aktie ist in den vergangenen zwölf Monaten nur noch um drei Prozent gestiegen, die Papiere von Anheuser-Busch, British American Tobacco, Heineken und Philip Morris haben sogar Kursverluste von zum Teil mehr als 20 Prozent erfahren.

Nicht übermäßig stark einsteigen

Vor allem Profiinvestoren wie Pensionskassen und Versicherungen reduzieren ihr Engagement in diesen Aktien. Sie fürchten, dass die Geschäftsmodelle der Genussmittelproduzenten nicht mehr nachhaltig sind, weil nun auch Regierungen in Asien und Lateinamerika massiv vor den Risiken des Nikotin- und Alkoholkonsums warnen.

Was den Brauereikonzernen außerdem zu schaffen macht: „Immer mehr kleine private Brauer in Europa und Nordamerika produzieren handgemachte Edelbiere“, so Stratege Werthmann. Damit nehmen sie den Giganten zunehmend Anteile in einem ohnehin schrumpfenden Markt ab. Vermögensberater Geiger rät deshalb, „nicht hochprozentig“ in Brauereiwerte zu investieren: „Der Anteil sollte drei Prozent des Depotwerts nicht überschreiten.“

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