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Anlagen-kolumne

Reich der Mitte lockt mit überdurchschnittlichen Chancen

Der weltweite Entschuldungsprozess löst nicht gerade Zinshochs aus. Trotzdem gibt es chancenreiche Länder. Interessant dürfte vor allem China sein.

Von Jens Ehrhardt Veröffentlicht:

Die Erholung der internationalen Aktienbörsen der vergangenen Wochen ist vor allem auf zwei Faktoren zurückzuführen: Einerseits bildete der stark ausgeprägte Pessimismus unter privaten und institutionellen Anlegern die Basis für eine antizyklische Gegenbewegung. Negative Nachrichten stellten keine Überraschungen mehr dar. Positive, oder auch nur weniger negative Nachrichten kamen hingegen unerwartet und lösten Kurssteigerungen aus. Der zweite Faktor waren teils angekündigte, teils bereits umgesetzte monetäre und fiskalpolitische Maßnahmen verschiedener Notenbanken und Regierungen.

Während markttechnische Kräfte generell von kürzerer Dauer sind, stellt sich bezüglich der geld- und fiskalpolitischen Maßnahmen die Frage, ob diese ein Gegengewicht zu den Entschuldungskräften bilden können. Weltweit schränken Banken überwiegend die Kreditvergabestandards ein. Zudem drosseln private Haushalte ihre Konsumnachfrage, um die Verschuldung abzubauen. Entschuldungsprozesse sind im Allgemeinen langfristiger Natur. Sie schränken die Nachfrage nach Konsum- und Investitionsgüter ein, was geringere Umsätze und Gewinne für Unternehmen bedeutet. Für die längerfristige Börsenentwicklung ist es wesentlich, ob der Entschuldungsprozess durch geld- und fiskalpolitische Maßnahmen kompensiert werden kann.

In USA und Europa ist das Niveau der Schulden hoch.

Vor allem in den USA und in Europa erscheint dies fraglich. Die Verbraucher sind insbesondere in den USA, in Großbritannien und im Mittelmeerraum hochgradig verschuldet. Zudem sind die Staatsschulden erheblich und bieten eigentlich keinen Spielraum für Steuersenkungen und zusätzliche Staatsausgaben.

Überdurchschnittliche Chancen im konjunkturellen Spannungsfeld bieten sicherlich große Teile Asiens (ohne Japan), obwohl diese Staaten bisher unter drastischen Einbrüchen der Exportnachfrage leiden. China etwa weist konjunkturell den Vorteil niedriger Staatsschulden auf und erwirtschaftete zuletzt sogar einen Budgetüberschuss. Das Land ist im Besitz von rund zwei Dritteln der Weltwährungsreserven. Somit könnte es gelingen, die Binnennachfrage durch staatliche Maßnahmen anzukurbeln. Zudem ist das Zinsniveau im Reich der Mite außerordentlich hoch, womit Zinssenkungspotenzial besteht.

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