Kritik am Hin und Her in der Politik
KV Hamburg prophezeit drastische Einschnitte bei ambulanten Leistungen durch Sparpläne
Die KV Hamburg warnt vor den Folgen, sollte die Politik die Honorare der niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte kürzen: Weniger Termine, weniger Leistungen und weniger Anreize, den Beruf zu ergreifen.
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Die Patienten in Hamburg werden über schlechtere Versorgung klagen, sollte die Politik die derzeit im Umlauf befindlichen Sparpläne verwirklichen, sagen Ärztinnen und Ärzte.
© Georg Wendt/dpa
Hamburg. Die politisch diskutierten Sparpläne für den ambulanten Bereich haben die KV Hamburg auf den Plan gerufen. Bei einer Umsetzung wird es nach Überzeugung der KV zu drastischen Einschnitten in der ambulanten Gesundheitsversorgung kommen.
In einem Pressegespräch verdeutlichte die KV, dass weniger Sprechzeiten und längere Wartezeiten eine zwangsläufige Folge von Honorarkürzungen sein werden. Hinzu kommen nach Überzeugung von KV-Chef John Afful langfristige Folgen: „Dieses Hin und Her macht es überhaupt nicht attraktiv, noch Medizin zu studieren", sagte Afful vor Journalisten in Hamburg.
Mangelnde Verlässlichkeit der Politik
Die mangelnde Verlässlichkeit politischer Maßnahmen prangerten auch die niedergelassene Orthopädin Dr. Anna-Katharina Doepfer, Hausarzt Dr. Björn Parey und der Vorsitzende der KV-Vertreterversammlung, Dr. Michael Reusch, an.
Grund sind Überlegungen, die finanziellen Anreize für schnelle Termine wieder abzuschaffen, die Entbudgetierung von pädiatrischen und hausärztlichen Leistungen wieder aufzuheben und das Honorar in der Psychotherapie pauschal um zehn Prozent abzusenken.
„Geld einsparen und mehr Leistung erwarten – das klingt für mich absurd", sagte Hausarzt Parey. Er verwies darauf, dass jede Honorarkürzung für den Gewinn von Praxen doppelt durchschlägt, weil die Kosten sich kaum verringern dürften.
Hinzu komme: In den vergangenen zehn Jahren habe die Inflationsrate doppelt so hoch gelegen wie die Honoraranhebungen. „De facto also eine Kürzung", so Parey. Er kündigte an: „Das wird dazu führen, dass Patienten weniger versorgt werden. Wenn das politisch gewollt ist, soll man es auch offen sagen."
Breite gesellschaftliche Diskussion erforderlich
Doepfer machte deutlich, was Budgetierung für Ärztinnen und Ärzte bedeutet: „Budgetierung ist keine Steuerung, sondern eine Begrenzung der Versorgung." Reusch würde sich wünschen, dass die Verwendung der zur Verfügung stehenden Mittel gesellschaftlich in den Vordergrund rückt.
Er forderte: „Wir brauchen eine breite gesellschaftliche Diskussion, wie viel und welche Medizin wir uns leisten wollen." Die aktuellen Vorschläge der Politik nannte er angesichts der Ernsthaftigkeit des Themas „nicht angemessen".
Hoffnungen setzt die Hamburger Ärzteschaft jetzt auf die Landespolitik. Der Sozialbehörde hat die KV die aus den angedachten Sparmaßnahmen resultierenden Folgen bereits dargelegt.
Afful hofft darauf, dass nicht nur in dieser Frage über die Länder Druck auf den Bund ausgeübt wird. Er setzt außerdem darauf, dass den Ländern langfristig mehr Spielraum in der Gestaltung der Rahmenbedingungen eingeräumt wird. (di)








