Anlagen-kolumne

Riskante Anleihen von Mittelständlern

Von Gottfried Urban Veröffentlicht: 23.03.2016, 07:21 Uhr

Vom Getränkehersteller über den Schrotthändler bis zum Pelletverkäufer, alle holten sich über die Ausgabe von Mittelstandsanleihen Geld für die Umschuldung oder Investitionen am Kapitalmarkt. Jetzt stehen einige Unternehmen vor dem Problem, dass die Anleihen zur Rückzahlung anstehen.

Bei jeder Anlage gilt grundsätzlich ein hoher Zins als Signal für ein besonders hohes Risiko. Dass Mittelstandsanleihen riskant sein können, zeigen die jüngsten Pleiten einiger Schuldner.

Wer Schulden macht, der sollte sich über die Rückzahlung seiner Schulden Gedanken machen. Werden Staats- oder Industrieanleihen großer Unternehmen zur Rückzahlung fällig, so wird oftmals die alte Schuld nicht aus der Staats- oder Unternehmenskasse bezahlt. Vielmehr begibt der Schuldner neue Anleihen am Kapitalmarkt, und die Nachfrage ist bei dem aktuellen Zinsumfeld groß.

Mit der Ausgabe eigener Anleihen haben sich in den letzten Jahren mehr und mehr nicht börsennotierte Mittelständler von den Launen ihrer Banken unabhängiger gemacht und ebenfalls Anleihen begeben.

Wer eine solche Anleihe in sein Depot legt, der gibt einem Mittelständler oftmals einen Blankokredit. Damit liegt die Kreditprüfung nicht mehr bei der Bank, sondern beim Anleger.

Finanzkraft entscheidend

Das kann gut gehen, muss es aber nicht. Entscheidend ist die Finanzkraft, um Zinsen und Kapitalrückzahlung sicherzustellen. Auch die Ratings der Unternehmen vermitteln dem Investor keine ausreichende Sicherheit.

Die typischen Mittelstandsratings von deutschen Agenturen wie Creditreform und Euler Hermes sind keinesfalls gleichzusetzen mit den Ratings von Moody‘s oder Standard & Poor‘s.

Wenn ein Mittelständler nicht genügend Geld zur Rückzahlung zur Seite gelegt hat oder die Banken die Rückzahlung der Anleihe nicht finanzieren wollen, dann ist die Gefahr groß. Anleger sind oftmals auch nicht bereit, die Laufzeit zu verlängern und wollen auch keine Nachfolgeanleihen zeichnen.

Die Folge ist die Insolvenz des mittelständischen Unternehmens und große Verluste auf Anlegerseite. Leider ist somit ein interessantes Marktsegment durch Pleiten in Misskredit geraten. Auch die guten Firmenanleihen leiden darunter.

Dabei können Anleger auch den Weg über einen Investmentfonds großer Investmenthäuser mit Schwerpunkt Hochzinsanleihen wählen. Da ist die Streuung und die professionelle Überwachung dieser riskanten Zinsanlage besser gegeben. Wirklich gute Mittelstandsanleihen sind meist gut nachgefragt aber selten zu finden.

Aber immerhin: Anders als Aktienbesitzer haben Anleihegläubiger zumindest einen rechtlichen Anspruch auf einen Teil der Konkursmasse.

Mehr zum Thema
Schlagworte
Kommentare

Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar verfassen zu können.
Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Newsletter bestellen »

Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte, Medizinstudenten, MFA und weitere Personengruppen viele Vorteile.

Die Anmeldung ist mit wenigen Klicks erledigt.

Jetzt anmelden / registrieren »

Top-Meldungen
Raucher: „Entwöhnung kommt oft viel zu spät“

Exklusiv Nikotinsucht

Raucher: „Entwöhnung kommt oft viel zu spät“

COVID-19 und Krebs: völlig neue Fragestellungen

Virtueller ASCO

COVID-19 und Krebs: völlig neue Fragestellungen

Diese Website verwendet Cookies. Weitere Informationen zu Cookies und und insbesondere dazu, wie Sie deren Verwendung widersprechen können, finden Sie in unseren Datenschutzhinweisen.  Verstanden