Anlagen-kolumne

Riskante Anleihen von Mittelständlern

Von Gottfried Urban Veröffentlicht:

Vom Getränkehersteller über den Schrotthändler bis zum Pelletverkäufer, alle holten sich über die Ausgabe von Mittelstandsanleihen Geld für die Umschuldung oder Investitionen am Kapitalmarkt. Jetzt stehen einige Unternehmen vor dem Problem, dass die Anleihen zur Rückzahlung anstehen.

Bei jeder Anlage gilt grundsätzlich ein hoher Zins als Signal für ein besonders hohes Risiko. Dass Mittelstandsanleihen riskant sein können, zeigen die jüngsten Pleiten einiger Schuldner.

Wer Schulden macht, der sollte sich über die Rückzahlung seiner Schulden Gedanken machen. Werden Staats- oder Industrieanleihen großer Unternehmen zur Rückzahlung fällig, so wird oftmals die alte Schuld nicht aus der Staats- oder Unternehmenskasse bezahlt. Vielmehr begibt der Schuldner neue Anleihen am Kapitalmarkt, und die Nachfrage ist bei dem aktuellen Zinsumfeld groß.

Mit der Ausgabe eigener Anleihen haben sich in den letzten Jahren mehr und mehr nicht börsennotierte Mittelständler von den Launen ihrer Banken unabhängiger gemacht und ebenfalls Anleihen begeben.

Wer eine solche Anleihe in sein Depot legt, der gibt einem Mittelständler oftmals einen Blankokredit. Damit liegt die Kreditprüfung nicht mehr bei der Bank, sondern beim Anleger.

Finanzkraft entscheidend

Das kann gut gehen, muss es aber nicht. Entscheidend ist die Finanzkraft, um Zinsen und Kapitalrückzahlung sicherzustellen. Auch die Ratings der Unternehmen vermitteln dem Investor keine ausreichende Sicherheit.

Die typischen Mittelstandsratings von deutschen Agenturen wie Creditreform und Euler Hermes sind keinesfalls gleichzusetzen mit den Ratings von Moody‘s oder Standard & Poor‘s.

Wenn ein Mittelständler nicht genügend Geld zur Rückzahlung zur Seite gelegt hat oder die Banken die Rückzahlung der Anleihe nicht finanzieren wollen, dann ist die Gefahr groß. Anleger sind oftmals auch nicht bereit, die Laufzeit zu verlängern und wollen auch keine Nachfolgeanleihen zeichnen.

Die Folge ist die Insolvenz des mittelständischen Unternehmens und große Verluste auf Anlegerseite. Leider ist somit ein interessantes Marktsegment durch Pleiten in Misskredit geraten. Auch die guten Firmenanleihen leiden darunter.

Dabei können Anleger auch den Weg über einen Investmentfonds großer Investmenthäuser mit Schwerpunkt Hochzinsanleihen wählen. Da ist die Streuung und die professionelle Überwachung dieser riskanten Zinsanlage besser gegeben. Wirklich gute Mittelstandsanleihen sind meist gut nachgefragt aber selten zu finden.

Aber immerhin: Anders als Aktienbesitzer haben Anleihegläubiger zumindest einen rechtlichen Anspruch auf einen Teil der Konkursmasse.

Mehr zum Thema

Anlagen-Kolumne

Wenn in China ein Sack Reis umfällt

Schlagworte
Kommentare

Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar verfassen zu können.
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Jetzt anmelden / registrieren »

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

» kostenlos und direkt in Ihr Postfach

Am Morgen: Ihr individueller Themenmix

Zum Feierabend: das tagesaktuelle Telegramm

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen
Zeitgenössischer Kupferstich von William T. G. Morton und Kollegen im Massachusetts General Hospital in Boston. Mittels eines Glaskolbens führte Morton die Äthernarkose vor.

© akg-images / picture-alliance

175 Jahre Anästhesie

Triumph über den Schmerz

Nach erfolgreicher Sondierungswoche (v.l.n.r): Robert Habeck und Annalena Baerbock, Bundesvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen, SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz und FDP-Chef Christian Lindner am Freitag in Berlin.

© Kay Nietfeld/picture alliance

Erfolgreiche Sondierung

Das plant die Ampelkoalition im Bereich Gesundheit