Anlagen-Kolumne

Sell in May gilt längst nicht immer

Von Jens Ehrhardt Veröffentlicht:

Sell in May and go away, but remember come back end of September." - Wie in jedem Jahr zu dieser Zeit wird wieder viel über diese Börsenweisheit geschrieben.

Interessant ist in diesem Jahr, dass der Ausdruck "Sell in May" etwa doppelt so oft gegoogelt wurde wie im Durchschnitt der vergangenen Jahre. Das zeigt, dass die Anleger sich intensiv mit diesem Thema beschäftigen.

Mit sehr langfristigen Studien lässt sich diese Regel auch für verschiedene Märkte gut belegen. Demnach lässt sich in den Wintermonaten von Anfang Oktober bis Ende April deutlich mehr verdienen als in den Sommermonaten.

Im Untersuchungszeitraum 1950 bis 2012 hätten sich 10.000 US-Dollar, die nach dieser Regel im S&P 500 Index angelegt wurden, sehr unterschiedlich entwickelt. Nach diesen 63 Jahren hätten Sommerinvestments lediglich 634 Dollar Gewinn erbracht, während Winterinvestments erstaunliche 811.820 Dollar generiert hätten.

Allerdings kann das Ergebnis in einzelnen Jahren stark abweichen. So hatten auch Winterinvestments sehr schwache Jahre zu verkraften (1987 mit -18,80 Prozent, 2000 mit -13,02 Prozent oder 2008 mit -25,17 Prozent).

Insgesamt waren aber nur sieben Jahre mit einem Verlust von mehr als 5 Prozent dabei, während es in den Sommermonaten 14 Jahre waren.

Schwierige Monate ante portas

Heißt das aber nun, dass man ab Mai gar nicht investieren sollte? Immerhin erzielte man in 40 von 63 Jahren einen positiven Ertrag in den Sommermonaten. Für verschiedene Länder ist der Effekt ebenfalls stabil, fällt aber in Europa etwas stärker aus als z.B. in den USA.

Eine genauere Analyse auf Branchenebene zeigt zudem, dass sich defensive Sektoren im Sommer besser entwickeln als der Gesamtmarkt. So haben sich die Sektoren "Haushaltsprodukte", "Tabak" und "Softdrinks" in den vergangenen 28 Jahren in jedem Jahr besser entwickelt als der Gesamtmarkt, im Schnitt um 6,60 Prozent.

Zwei interessante Nebeneffekte dieser Strategie sind, dass zum einen auch die Volatilität in den Wintermonaten geringer ist und damit die Rendite risikoadjustiert nochmals attraktiver ist.

Hinzu kommt, dass nur vier Transaktionen im Jahr anfallen und somit die Transaktionskosten das Ergebnis nicht deutlich schmälern, so wie bei vielen anderen Handelsstrategien.

Fazit: Saisonal stehen im Moment schwierigere Monate bevor. Die Chancen stehen aber nicht so schlecht, auch im Sommer etwas Geld mit Aktien zu verdienen. Mit defensiven Branchen wären die Chancen am größten, wenn man die Ergebnisse der Vergangenheit zurate nimmt. Also: "Buy in May and make some Hay!"

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