Praxisführung

So kommen Ärzte Arznei-Interaktionen auf die Spur

Das Problem ist bekannt: Viele Patienten haben selbst gekaufte Medikamente in ihrem Arzneischrank. Mit einigen Kniffen können Ärzte aber Arnzei-Interaktionen gezielt aufspüren.

Veröffentlicht:
Ein Arzt im Gespräch mit einem Patienten: Mit gezielten Fragen lassen sich Arznei-Interaktionen aufdecken.

Ein Arzt im Gespräch mit einem Patienten: Mit gezielten Fragen lassen sich Arznei-Interaktionen aufdecken.

© Troels Graugaard / istockphoto.com

BAD ORB (reh). Alte Patienten sind nicht nur organisatorisch eine Herausforderung für Hausarztpraxen. Vor allem bei der Medikation tauchen immer wieder Schwierigkeiten auf - und zwar bei der Frage nach den Interaktionen.

Wie sich diese umgehen lassen, erklärte Allgemeinarzt Dr. Wolfgang Blank auf der diesjährigen practica in Bad Orb.

Verordnung hinterfragen

Das erste Problem stelle sich bei der Verordnungsdosis, erklärte der Hausarzt aus dem bayerischen Kirchberg. Denn einige Tabletten müssen für die Einnahme vom Patienten geteilt oder gar geviertelt werden.

Hier sollten Ärzte bereits bei der Verordnung hinterfragen, wie groß die Tablette tatsächlich ist und ob "sie überhaupt für ältere Leute teilbar" sei.

Regelmäßig überprüfen, welche Medikamente wirklich notwendig sind

Noch wichtiger sei der Interaktionscheck: Viele ältere Patienten würden sieben, acht Medikamente nehmen.

Neben dem regelmäßigen Prüfen, welche Medikamente unbedingt notwendig seien, empfahl Blank vor allem eines: "Fragen Sie genau nach, welche Medikamente Ihr Patient sonst noch nimmt und wo vielleicht beim Ehepartner genascht wird."

Dabei komme letzteres häufig auch bei jüngeren Patienten vor.

Patienten gezielt nach OTC-Präparaten fragen

Hausärzte sollten ihre Patienten daher immer wieder fragen, was sie sonst noch einnehmen. Denn, so Blank, im Schnitt seien nur 30 Prozent der Medikamente, die ein Patient einnehme, solche, die ihm vom Arzt verordnet wurden. Gut gut 70 Prozent seien OTC-Präparate und selbst gekauft.

Aber eben auch die Medikamente im häuslichen Umfeld - also Arzneien, die der Ehepartner im Schrank liegen hat - sollten abgefragt werden.

Alle Medikamente im Haushalt aufschreiben

Hier sollten Ärzte gezielt nachfragen, welche Medikamente im Haus sind, und wer sie wann nehme. Blank: "Da kommt dann schon einmal raus `Ja, ich nehme die Tabletten, wenn ich Schmerzen habe´."

Wer den Patienten hier sensibilisiert und seiner Information - etwa indem er den Patienten alle Medikamente im Haushalt einmal aufschreiben lässt - einen gewissen Wert beimisst, der schafft es laut Blank auch, dass die Patienten Eigenkontrolle üben.

Apotheker mit ins Boot holen

Es lohne sich aber auch, den Apotheker vor Ort - auf dem Land sei dies meist einfacher als in der Stadt - mit ins Boot zu holen, und vielleicht eine gemeinsame Patientenkartei in Sachen Arzneimittel zu führen. Denn die Apotheker wissen oft eher, welche OTC-Präparate zusätzlich eingenommen werden.

Dabei könne die Praxis auch das pharmakologische Wissen des Apothekers nutzen und diesen einen Interaktions-Check vornehmen lassen, den der Apotheker dann an die Praxis zurückspielt.

Diese könne dann entsprechend agieren, ohne Panik beim Patienten auszulösen. Denn manche Interaktion hängt ja auch von der verordneten Dosis ab.

Mehr zum Thema

Abrechnung

Zwei neue Pauschalen für den AU-Postversand

STIKO-Beschlussempfehlung

Gleichzeitige Influenza- und Corona-Impfung in Sicht

Schlagworte
Das könnte Sie auch interessieren
Sie können die Anzahl an Impfanfragen kaum bewältigen?

© Doctolib

Digitales Impfmanagement

Sie können die Anzahl an Impfanfragen kaum bewältigen?

Anzeige | Doctolib GmbH
Tipps und Umsetzungshilfen für ein optimales Impfmanagement

© Doctolib / Corporate Design

Kostenloser Ratgeber

Tipps und Umsetzungshilfen für ein optimales Impfmanagement

Anzeige | Doctolib GmbH
50% Rabatt auf das digitale Impfmanagement von Doctolib

© Doctolib / Corporate Design

Exklusives Angebot

50% Rabatt auf das digitale Impfmanagement von Doctolib

Anzeige | Doctolib GmbH
Kommentare

Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar verfassen zu können.
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Jetzt anmelden / registrieren »

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

» kostenlos und direkt in Ihr Postfach

Am Morgen: Ihr individueller Themenmix

Zum Feierabend: das tagesaktuelle Telegramm

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen
„Die HzV ist der beste Rettungsschirm!“: Hausärzteverbandschef Ulrich Weigeldt.

© Marius Becker / dpa / picture alliance

42. Deutscher Hausärztetag

Weigeldt: „Bitte keine Änderung an Paragraf 73b!“

Auch wer bei der Arbeit zwangsläufig den ganzen Tag am Computer sitzt, braucht wohl nicht befürchten, dass dies Netzhautschäden hervorruft.

© LVDESIGN / stock.adobe.com

„Mythos Blaulicht“

Augenschäden durch Bildschirmarbeit ist mehr Mythos als Realität