Unternehmensanleihen sind auch in der Krise besser als ihr Ruf

Anleger meiden derzeit alles, was nur entfernt nach Risiko riecht. Dadurch sind die Kurse von Unternehmensanleihen deutlich gesunken - zum Teil unbegründet.

Von Jürgen Lutz und Alexander Heintze Veröffentlicht:
Wer auf eine erstklassige Bonität der Emittenten achtet, kann mit Unternehmensanleihen gute Renditen erzielen.

Wer auf eine erstklassige Bonität der Emittenten achtet, kann mit Unternehmensanleihen gute Renditen erzielen.

© Foto: Bertold Werkmannwww.fotolia.de

In den vergangenen Wochen sind Unternehmensanleihen stark gebeutelt worden. Dabei können Anleihen bonitätsstarker Unternehmen eine lukrative Anlagealternative sein, sagt Markus Hormann vom Vermögensverwalter I.C.M. in Berlin

Vor einigen Wochen waren etwa Anleihen des US-Konzerns General Electric fast 20 Prozent unter dem Nennwert zu haben. Das Unternehmen bekommt als eines der ganz wenigen in der Welt von den Ratingagenturen beständig die Bestnote AAA. Von einer Pleite ist der weltgrößte Mischkonzern meilenweit entfernt. Doch genau das scheinen Anleger zu glauben. Die Rendite, die ein Maß für das Risiko einer Geldanlage ist, lag bei fast zehn Prozent pro Jahr.

Inzwischen haben sich die Abschläge bei Anleihen guter und bester Bonität verringert. Unternehmen aus zyklischen Branchen, die besonders unter dem Abschwung leiden, werden aber immer noch deutlich unter ihrem Nennwert gehandelt, weshalb sie höhere Renditen bieten. So werfen Anleihen von Daimler, BMW oder der Deutschen Telekom deutlich mehr Gewinn ab als Staatsanleihen.

"Wer heute mit Unternehmensanleihen höhere Risiken eingeht, wird über Gebühr honoriert", sagt Vermögensverwalter Hormann. Sobald sich das konjunkturelle Umfeld aufhelle, dürften die Risikoaufschläge bei qualitativ hochwertigen Unternehmen zurückgehen. Trotzdem seien sie weiterhin eine interessante Alternative. Da die Banken im kommenden Jahr bei der Kreditvergabe vorsichtig bleiben werden, müssten Unternehmen zur Finanzierung auf Anleihen mit attraktiven Zinsen ausweichen.

Aus steuerlicher Sicht ist ein Kauf noch in diesem Jahr interessant. Wer sich im Jahr 2008 Bonds anschafft und mindestens ein Jahr hält, streicht Kursgewinne steuerfrei ein. Anleger sollten aber auf eine erstklassige Bonität der ausgebenden Unternehmen achten.

Vermögensverwalter wie Hormann empfehlen in erster Linie Anleihen deutscher oder europäischer Unternehmen. Um angesichts sinkender Unternehmensgewinne und der unsicheren Finanzlage vieler Firmen das Ausfallrisiko zu überblicken, sollte die Laufzeit höchstens fünf Jahre betragen. Wer sich mit der Auswahl einzelner Papiere nicht beschäftigen will, kann Rentenfonds kaufen, die in Anleihen mit kurzen Laufzeiten investieren.

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