Anlagen-Kolumne

Wenn Staaten das Geld ausgeht, wird es für Anleger eng

Staatsanleihen gelten eigentlich als eine der sicheren Anlageformen. Doch die derzeitige Wirtschafts- und Finanzkrise sorgt auch hier für steigendes Risiko.

Von Jens Ehrhardt Veröffentlicht:

Viele Anleger fragen sich dieser Tage, ob Anleihenkäufe vor dem Hintergrund drohender Währungsreformen und Staatsbankrotte noch zu empfehlen sind. Die Möglichkeit von Währungsreformen oder Bankrotten wird mittlerweile nicht nur in Stammtischrunden rege diskutiert. Inzwischen beschäftigen sich selbst renommierte Wirtschaftswissenschaftler mit dem Thema.

Ein Unternehmen, das ein Vielfaches der jährlichen Umsätze an Schulden aufweist, wird wahrscheinlich kaum eine Zukunft haben. Für einige Länder gelten genau diese Verschuldungsrelationen. In den USA zum Beispiel beträgt die Verschuldung des Staates, der Unternehmen und privaten Haushalte in Summe fast das Vierfache der jährlichen Wirtschaftsleistung. Darauf aufbauend nimmt der amerikanische Staat jährlich 1,3 Billionen Dollar an zusätzlichen Schulden auf.

Der große Unterschied zwischen einem Privatunternehmen und einem Staat besteht darin, dass der Staat oft auf den Rückhalt durch die Notenbank vertrauen kann. Zahlreiche Notenbanken kaufen Staatsanleihen - im eigentlichen Sinne Schuldscheine -und stellen der Wirtschaft im Gegenzug Geld zur Verfügung.

Niedrige Zinsen sind Gift für die Mittelmeerländer.

Ohne diese Maßnahmen läge der Zins in den USA und auch weltweit bei einem Vielfachen des heutigen und Staatsbankrotte wären längst keine Seltenheit mehr. Auf Dauer wird sich die Missrelation zwischen Wirtschaftskraft und Schulden jedoch rächen, im Extremfall auch in Form von Staatsbankrotten oder Währungsreformen.

Nicht nur in den USA ist die Verschuldung extrem gestiegen, sondern auch in Europa, bedingt durch den Euro, gab es eine wahre Schuldenexplosion. Früher verhinderten im Mittelmeerraum zweistellige Zinssätze eine größere Konsumentenverschuldung.

Durch die Einführung der Euro-Niedrigzinsen setzte aber gerade in den Mittelmeerländern ein wahrer Verschuldungsboom ein. Inzwischen sind viele Staaten aber an ihrer Verschuldungsgrenze angelangt. Das einzige, was diesen Ländern noch helfen kann, ist eine Abwertung ihrer Währung beziehungsweise ein Austritt aus dem Euro-Verbund.

Eine wichtige Frage ist, inwieweit Anleihen vor dem Hintergrund der internationalen Verschuldungsdynamik eine gute Anlage sind. Was nicht knapp ist, kann nicht wertvoll sein. Die extremen Anleiheemissionen können auf Dauer nur zu einem Crash an den Anleihemärkten führen.

Da kurzfristig aber eher deflationäre Entwicklungen der Weltwirtschaft vor uns liegen, dürften kurz laufende europäische Staatsanleihen auf ein bis zwei Jahre Sicht weiter eine Möglichkeit zur Kapitalerhaltung sein. Auf die Dauer wird das gewaltig steigende Angebot an neuen Anleihen aber mit Sicherheit zu höheren Zinsen und damit fallenden Anleihekursen führen.

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