Ärzte Zeitung, 23.08.2017
 

Kostenstrukturanalyse

Jeder vierte Euro von Privatpatienten

Die Kostenstrukturanalyse Arztpraxen bestätigt die hohe Bedeutung der Privatmedizin für Praxen. Die Abhängigkeit von Privat- und IGeL-Patienten ist in den Fachgruppen allerdings unterschiedlich ausgeprägt. Wie Innovationen zu mehr Privatumsatz führen können, ist auch Thema am Tag der Privatmedizin 2017.

Von Hauke Gerlof

Jeder vierte Euro von Privatpatienten

Die Abhängigkeit von Privat- und IGeL-Patienten ist in den Fachgruppen nach wie vor unterschiedlich ausgeprägt.

© pogonici / stock.adobe.com

FRANKFURT/MAIN. Die Reaktion des Verbandes der Privaten Krankenversicherung ließ nicht lange auf sich warten: Kaum hatte das Statistische Bundesamt (Destatis) die aktuelle Kostenstrukturanalyse Arztpraxen veröffentlicht, meldete sich der Direktor des PKV-Verbandes, Volker Leienbach: "Die Zahlen des Statistischen Bundesamtes bestätigen den wichtigen Beitrag, den Privatpatienten für das deutsche Gesundheitssystem leisten. Denn die Einnahmen der Ärzte aus Privatrechnungen fließen in ein gemeinsames Versorgungssystem für gesetzlich und Privatversicherte und kommen damit allen Menschen zugute", wurde Leienbach zitiert (wir berichteten).

Rund 11 Prozent aller Krankenversicherten in Deutschland stemmten damit gut 26 Prozent der Praxiseinnahmen, hieß es weiter. Tatsächlich lag der Anteil der Privateinnahmen – der allerdings auch die Selbstzahlerleistungen von GKV- und Privatpatienten enthält – exakt bei 26,3 Prozent im Durchschnitt aller untersuchten Praxen.

Privatanteil geht leicht zurück

Allerdings wachsen auch in der Privatmedizin die Bäume nicht in den Himmel. Nachdem in den Jahren zuvor der Privatanteil in den Kostenstrukturanalysen stetig gestiegen war, bis auf 28,3 Prozent im Jahr 2011, ist das Pendel bis 2015 wieder leicht zurückgeschlagen. Das bestätigt sich sogar in absoluten Zahlen: Im Durchschnitt erzielten Praxen 2015 laut Destatis 133.000 Euro aus der Privatabrechnung, das waren 4000 Euro weniger als vier Jahre zuvor. In der Relation zu den Privateinnahmen im Jahr 2003 – damals lagen die Umsätze aus der Privatabrechnung noch bei 79.000 Euro je Praxis – lässt sich die Entwicklung am ehesten als Stabilität auf hohem Niveau bezeichnen.

Jeder vierte Euro von Privatpatienten

Im Fachgruppenvergleich hat sich die Bedeutung der Privatmedizin unterschiedlich entwickelt. Bei Allgemeinmedizinern fällt der Rückgang des Privatanteils relativ ausgeprägt aus: 14,5 Prozent der Gesamteinnahmen erzielten Allgemeinmediziner in ihren Praxen aus der Privatabrechnung. Vor vier Jahren waren es noch 18,4 Prozent. Bei Internisten liegt der Anteil mit 21,8 Prozent (2011: 22,8 Prozent) deutlich höher, aber immer noch klar unter dem Durchschnitt.

Eine besonders hohe Bedeutung hat die Privatmedizin vor allem bei einigen grundversorgenden Fachgruppen: Den höchsten Privatanteil verzeichneten 2015 laut Destatis die Dermatologen mit 45,9 Prozent der Gesamteinnahmen. Vier Jahre zuvor waren es noch nahezu 48 Prozent gewesen, der Trend geht also auch hier leicht nach unten. Über 40 Prozent Privatanteil kamen außerdem die Urologen mit 42,8 Prozent der Gesamteinnahmen und die Orthopäden mit 41,9 Prozent. Bei beiden Fachgruppen hat sich der Privatanteil gegen den Trend sogar nochmals gesteigert. Zwischen 30 und 40 Prozent Privatanteil liegen die Praxen der Augenärzte (38,9 Prozent), Radiologen (38,2 Prozent), HNO (38,1 Prozent), Chirurgen (35,1 Prozent) und Gynäkologen (32,1 Prozent).

Innovationen bieten Potenzial

Auffällig ist, dass in den Fachgruppen, in denen viele innovative Diagnostik- und Therapieansätze entwickelt werden, der Privatanteil besonders hoch ist. Der Grund dafür liegt auf der Hand, da neue Leistungen von Krankenkassen in der ambulanten Medizin erst nach einem Beschluss des Gemeinsamen Bundesausschusses in die Regelversorgung aufgenommen werden. Innovationen können daher zunächst immer nur privat abgerechnet werden.

Das Thema Innovationen in Therapie, Diagnostik und Praxisführung steht auch im Mittelpunkt des Tages der Privatmedizin am 14. Oktober, wie im vergangenen Jahr im Casino des Campus Westend in Frankfurt am Main. Zehn von einem Fachbeirat des Privatärztlichen Bundesverbandes (PBV) ausgesuchte Aussteller präsentieren ihre Innovationen, in Workshops können Teilnehmer die Informationen dazu vertiefen. Weiterer Schwerpunkt ist die Diskussion über die Zukunft der Privatmedizin nach der Bundestagswahl. In einem Satellitensymposium ist es zudem möglich, eine Fortbildung zum Tätigkeitsschwerpunkt "Tabakentwöhnung – Arzt als Kursleiter" zu besuchen, für die bei der Landesärztekammer Hessen bis zu vier Fortbildungspunkte beantragt sind. Für die Veranstaltung am Samstag sind zwölf Punkte beantragt. Die "Ärzte Zeitung" ist Medienpartner der Veranstaltung.

Workshops gehen ins Detail

Das bewährte Workshop-Modell setzt der PBV auch dieses Jahr fort. So können sich Kongressteilnehmer in kleinen Runden detailliert über verschiedene Themen informieren. Zum einen geht es um die (sozial-)rechtssichere Gestaltung größerer Praxiseinheiten und Kooperationen mit Blick auf die Problematik von Berufsausübungsgemeinschaften und Scheinselbstständigkeit, zum anderen um praktische Hinweise zur rechtskonformen Honorarsteigerung im Zuge der Privatliquidation.

Mit Blick auf das Antikorruptionsgesetz (§299 a, b StGB) gibt es Tipps zur rechtlich einwandfreien Gestaltung des Vertragswerks zum Betrieb von Teilgemeinschaftspraxen sowie zur optimalen Finanzierung einer Privatpraxis. Der erfolgreiche Ein- oder Umstieg in die Privatpraxis wird ebenso thematisiert wie das Potenzial der stratifizierten Arzneitherapie im privatmedizinischen Praxisalltag. Darüber hinaus widmet sich ein Workshop der praktischen Umsetzung ausgewählter Check-up-Verfahren.

Die Teilnahe am Tag der Privatmedizin am 14. Oktober in Frankfurt ist für PBV-Mitglieder kostenlos, für alle anderen einzelnen Teilnehmer fallen je 165 Euro an. Eine Begleitperson aus der jeweiligen Praxis kann zum Sonderpreis von 85 Euro mitgenommen werden. Teilnehmer der Fortbildung am Vorabend des Kongresses können ein Kombiticket für 350 Euro erwerben. Die Teilnahme an der Fortbildung ohne Kongressbesuch kostet 250 Euro. (Mitarbeit: maw)

Infos und Programm unter: www.tag-der-privatmedizin.de

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