Ärzte Zeitung online, 19.09.2019

Burnout-Fälle

AU-Tage haben sich mehr als verdoppelt

Fehlzeiten-Report zeigt: Die Diagnose Burnout sorgte 2018 für 3,9 Millionen Fehltage bei gesetzlich versicherten Arbeitnehmern.

Von Taina Ebert-Rall

BERLIN. Die Zahl der Arbeitsunfähigkeitstage (AU-Tage) wegen eines „Burnouts“ hat sich in den vergangenen neun Jahren dramatisch erhöht. Das ist ein Ergebnis des Fehlzeiten-Reports 2019. Demnach nahmen die AU-Tage aufgrund der Diagnosegruppe Z73 je 1000 AOK-Mitglieder zwischen 2009 und 2018 von 51,2 auf 120,5 Tage und damit um mehr als das Zweifache zu. Im Vergleich zum Vorjahr stieg ihre Anzahl 2018 um 3,8 Tage.

Alters- und geschlechtsbereinigt auf die mehr als 36 Millionen gesetzlich krankenversicherten Beschäftigten hochgerechnet bedeutet dies, dass cirka 176.000 Menschen mit insgesamt 3,9 Millionen Fehltagen 2018 wegen eines Burnouts krankgeschrieben wurden.

Unter Burnout wird ein Zustand physischer und psychischer Erschöpfung verstanden, der in der ICD-10-Klassifikation unter der Diagnosegruppe Z73 „Probleme mit Bezug auf Schwierigkeiten bei der Lebensbewältigung“ in der Hauptdiagnosegruppe Z00–Z99 „Faktoren, die den Gesundheitszustand beeinflussen und zur Inanspruchnahme des Gesundheitswesens führen“ eingeordnet ist. Burnout ist daher nach der ICD-Klassifikation keine psychische Erkrankung. Ärzten ist es jedoch möglich, Burnout als Zusatzinformation bei der Dokumentation auf derAU-Bescheinigung anzugeben.

Bei den Ausfällen aufgrund dieser Diagnosegruppe zeigen sich deutliche Unterschiede zwischen den Geschlechtern: Frauen werden deshalb fast doppelt so lange krankgeschrieben wie Männer. 2018 entfielen auf Frauen 159,5 Ausfalltage je 1000 AOK-Mitglieder, auf Männer dagegen nur 89,6 Tage.

Sowohl Frauen als auch Männer sind am häufigsten zwischen dem 60. und 64. Lebensjahr von einem Burnout betroffen. Außerdem scheinen vor allem Berufstätige in kundenorientierten und erzieherischen Berufen Burnout-gefährdet zu sein. So sind Aufsichts- und Führungskräfte im Verkauf mit 308,3 Arbeitsunfähigkeitstagen je 1000 AOK-Mitglieder die auffälligste Berufsgruppe. Dies entspricht 32,6 Arbeitsunfähigkeitstagen pro Fall. An zweiter Stelle stehen Berufe im Dialogmarketing mit 290,3 Arbeitsunfähigkeitstagen je 1000 AOK-Mitglieder.

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