Fehlzeitenreport

Homeoffice belastet die Psyche

Viele Arbeitnehmer würden lieber von Zuhause aus arbeiten als jeden Tag zur Arbeit pendeln zu müssen. Doch nun zeigt eine WIdO-Umfrage: Die Heimarbeit wirkt sich negativ auf das seelische Wohlbefinden aus.

Von Anno Fricke Veröffentlicht: 17.09.2019, 16:03 Uhr
Homeoffice belastet die Psyche

Gemütlich von Zuhause aus arbeiten, davon träumen viele. Doch laut einer WIdO-Umfrage sind die psychischen Belastungen von Heimarbeitern höher als bei Arbeitnehmern, die in den Firmen ihrem Job nachgehen.

© pressmaster / stock.adobe.com

BERLIN. Arbeiten im Homeoffice beeinträchtigt das seelische Wohlbefinden stärker als der regelmäßige Gang ins Büro. Das offenbart eine Umfrage des Wissenschaftlichen Instituts des AOK-Bundesverbands (WIdO), wie aus dem am Dienstag veröffentlichten Fehlzeitenreport 2019 hervorgeht.

Demnach berichteten fast drei von vier Tele-Arbeitern von Erschöpfungszuständen in den vier Wochen vor der Befragung. Auf Arbeit in den Firmen selbst klagten lediglich rund zwei Drittel der befragten Arbeitnehmer darüber, ausgebrannt zu sein.

34 Prozent der Tele-Arbeiter hatten in den vier Wochen vor der Umfrage zudem Arbeit auf den Abend oder auf die Wochenenden gelegt, sie hatten zu knapp 20 Prozent Probleme, Arbeit und Freizeit zu vereinbaren, und mussten zu 14 Prozent private Aktivitäten wegen beruflicher Verpflichtungen zurückstellen.

Die Werte der vor Ort Arbeitenden liegen an diesen Stellen deutlich im einstelligen Prozentbereich. Das gilt laut der Umfrage auch für „Wut und Verärgerung“ sowie für „Nervosität und Reizbarkeit“.

Auch Lustlosigkeit, Selbstzweifel und Schlafstörungen ereilen die Menschen im Homeoffice häufiger als die Kollegen am Firmensitz (siehe nachfolgende Grafik).

Autonomie sorgt für Zufriedenheit

Vorteile der Heimarbeit zählt der Report auch auf. So genießen knapp drei Viertel der Befragten, dass sie sich bei der Arbeit zu Hause besser konzentrieren könnten. Die Autonomie des selbstständigen Arbeitens sorgt zudem für Zufriedenheit.

Trotz der höheren psychischen Belastungen seien die Heimarbeiter seltener krankgeschrieben, als die vor Ort arbeitenden Kollegen berichtete Helmut Schröder, Diplom-Soziologe, stellvertretender Geschäftsführer des wissenschaftlichen AOK-Instituts und Mitherausgeber des im Springer Verlag, zu dem auch die „Ärzte Zeitung“ gehört, erschienenen Reports. Hier ständen 7,7 Fehltage im Jahr 11,9 Tagen gegenüber.

Präsentismus ist gleichwohl in beiden Gruppen vertreten. Jeweils ein Viertel berichtete, entgegen ärztlichen Rats krank gearbeitet zu haben. Bei den Arbeitnehmern im Homeoffice sei davon auszugehen, dass sie wegen Krankheit liegen gebliebene Arbeit an Wochenenden aufarbeiteten, was Beschäftigte mit festen Arbeitszeiten so nicht könnten.

„Das ist nicht gesund“, sagte Schröder. Klassische Erholungszeiten fielen für die Tele-Arbeiter hinten runter. Das sei weder für den Beschäftigten, sein Unternehmen noch die Krankenkasse gut.

Digitalisierungsgrad von 40 Prozent im Gesundheitswesen

Die Grundlagen für die Heimarbeit finden sich in der Digitalisierung. Im Gesundheitswesen liegt der Digitalisierungsgrad bei 40 Prozent, in Unternehmen der Telekommunikationsbranche bei immerhin 78 Prozent. Je größer ein Unternehmen, umso höher der Anteil an Tele-Arbeitern.

Ob sich durch diese Veränderungen gesundheitsförderliche oder eher gesundheitsschädigende Effekte ergäben, hänge von der Ausgestaltung der Arbeit ab, sagte Professorin Antje Ducki.

Ducki ist Arbeits- und Organisationspsychologin an der Berliner Beuth Hochschule für Technik sowie Mitherausgeberin des Reports.

Die Autoren empfehlen Unternehmen, das betriebliche Gesundheitsmanagement für die Heimarbeiter zugänglich zu machen – über Online-Programme.

Der Rat des AOK-Instituts lautet, betriebliches Gesundheitsmanagement für die Mitarbeiter im Homeoffice nutzbar zu machen. Hilfreich sei auch der regelmäßige Austausch der Führungskräfte mit den mobil arbeitenden Beschäftigten.

Wir haben den Beitrag aktualisiert am 17.09.2019 um 16:02 Uhr.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar: Flexibilität und Verantwortung

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