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HINTERGRUND

Aufregende Achterbahn - noch zehn Minuten nach der Fahrt schlägt das Herz unregelmäßig

Von Norbert Bach Veröffentlicht:

Für einen gesunden Körper sei eine Achterbahnfahrt unbedenklich, resümiert der Kardiologe und Unfallmediziner am Mannheimer Klinikum, Dr. Jürgen Kuschyk. Bei Patienten mit Herzschwäche und Herzrhythmusstörungen sehe dies jedoch anders aus. Kuschyk hat in einer Reihenuntersuchung vor sechs Wochen bei etwa 60 Achterbahnfahrern im Alter zwischen 18 und 70 Jahren während der Fahrt ein EKG abgeleitet (wir berichteten). Die Ergebnisse hat er jetzt im Holiday Park in Haßloch vorgestellt.

Bei einer Fahrt auf der Achterbahn werden Spitzenwerte von bis zu 200 Herzschläge pro Minute gemessen. Für ein gesundes Herz sei dies kein Problem, so der Kardiologe. Der Mittelwert lag bei etwa 150 Schlägen pro Minute.

Besonders beim Start, wenn noch keine körperlichen Belastungen erfahren werden, steigt die Herzfrequenz beachtlich: Liegt sie im Bahnhof der Achterbahn noch bei etwa 90 Schlägen pro Sekunde, steigt sie während der langsamen Fahrt zum höchsten Punkt des Fahrgeschäfts auf etwa 130.

"Es ist wohl die emotionale Erregung, die das Herz schneller schlagen läßt", erklärt Kuschyk. Beim fast freien Fall in 60 Meter Tiefe tue sich erst einmal nichts. Erst 30 Sekunden nach dem Ereignis steige die Herzfrequenz auf 150 Schläge in der Minute. Im Ziel werde immer noch eine Herzfrequenz von 110 gemessen.

Überrascht hat den Kardiologen die Reaktion nach der Fahrt: "Es zeigten sich bis etwa zehn Minuten nach Beendigung der Fahrt leichte rhythmische Unregelmäßigkeiten." Damit habe er nicht gerechnet. "Dies ist für den gesunden Menschen nicht gefährlich." Er rät aber zu Pausen zwischen den Fahrten. "Dies ist unbedingt notwendig, damit sich der Herzrhythmus und der Organismus wieder erholen können."

Herzinfarktpatienten, Menschen mit Herzrhythmus-Störungen oder Herzschwäche sowie Übergewichtigen rät Kuschyk von einer Fahrt mit einer Extrem-Achterbahn wie der im Holiday Park in Haßloch dringend ab: "Für diese Personengruppe hört bei 200 Herzschlägen pro Minute der Spaß auf." Herzrhythmusstörungen könnten, dies zeigten die Messungen, sich nach der Fahrt noch verstärken. Die Gefahr von Herzkammerflimmern sei nicht auszuschließen.

In so einem Fall könne nur noch ein Defibrillator das Leben des Menschen retten. Ein solches Gerät ist in der Regel in jedem Freizeitpark vorhanden. Es fehle jedoch vielen Menschen die Courage im Umgang mit einem solchen Patienten, erläuterte der Gründer der Björn-Steiger-Stiftung, Siegfried Steiger. Er setzt sich seit vielen Jahren für die Verbreitung des Gerätes ein, ihm verdanken wir die Notrufsäulen an den Autobahnen.

Auch Träger von Herzschrittmachern setzen sich bei einer Achterbahnfahrt unkalkulierbaren Gefahren aus. Einerseits bestehe die Gefahr, daß sich die Impulsgeber im Herzen lösten, andererseits könnten die Magnetfelder, die die Bahn bremsen, den Herzschrittmacher negativ beeinflussen, warnt Kuschyk. Hier bestehe akute Lebensgefahr. Parkleiter Wolfgang Schneider betonte, daß entsprechende Warnschilder auf die Gefahren aufmerksam machten. Soweit ihm bekannt, sei jedoch weltweit noch kein Mensch infolge einer Achterbahnfahrt gestorben.

Welche Auswirkungen der Adrenalinschub vor und während der Fahrt auf den Organismus habe, will Kuschyk noch untersuchen.

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