Ärzte Zeitung online, 27.01.2012

Mit 45 steht das Risiko für den Infarkt-Tod

Wie wahrscheinlich es ist, an einem Herzinfarkt oder Schlaganfall zu sterben, steht schon mit 45 Jahren fest. Wer sich bis zu diesem Alter gesund hält, darf auf die "Absolution" hoffen.

Mit 45 steht das Risiko für tödlichen Herzinfarkt

Bereits im mittleren Alter sind die Weichen dafür gestellt, wie hoch das Risiko für Herzinfarkt und Herztod in der verbleibenden Lebenszeit ist.

© ArTo / fotolia.com

DALLAS (ob). Auf epidemiologischen Studiendaten basierende Risikoscores bieten heute die Möglichkeit, das individuelle kardiovaskuläre Risiko eines Patienten zu berechnen. Allerdings wird dabei üblicherweise das 10-Jahres-Risiko ermittelt.

Diese Berechnung kann trügerisch sein und eine falsche Sicherheit suggerieren, warnt eine US-Forschergruppe um Dr. Donald Lloyd-Jones aus Chicago. Denn das 10-Jahres-Risiko könne niedrig, das Lebenszeitrisiko aber trotzdem hoch sein.

In ihrer jetzt publizierten Metaanalyse hat sich die Gruppe deshalb zum Ziel gesetzt, für Menschen unterschiedlicher Altersklassen das Lebenszeitrisiko für tödliche und nicht tödliche kardiovaskuläre Ereignisse zu bestimmen (NEJM 2012; 366: 321).

In das "Cardiovascular Lifetime Risk Pooling Project" haben die Forscher die gepoolten individuellen Daten aus 18 epidemiologischen Kohortenstudien mit insgesamt mehr als 250.000 beteiligten Männern und Frauen einfließen lassen. Bei ihnen ist jeweils im Alter von 45, 55, 65 und 75 Jahren der Risikostatus erfasst worden. Ermittelt wurde, ob die betreffende Person Raucher oder Diabetiker war oder erhöhte Blutdruck- oder Cholesterinwerte aufwiesen.

Bei Frauen und Männern ähnliche Verteilung

Unterschiede in den Risikoprofilen, die im mittleren Lebensalter bestanden, hatten erhebliche Unterschiede im Lebenszeitrisiko für kardiovaskuläre Erkrankungen zur Folge.

So war etwa bei 55 Jahre alten Männern die Wahrscheinlichkeit, in der verbleibenden Lebenszeit an einer kardiovaskulären Erkrankung zu sterben, im Falle eines idealen Risikoprofils (kein Raucher oder Diabetiker, Gesamtcholesterin unter 180 mg/dl, Blutdruck niedriger als 120/80 mmHg) mit 4,7 Prozent sehr niedrig.

Bei Männern gleichen Alters mit zwei oder mehr Risikofaktoren war dagegen in fast einem Drittel (29,6 Prozent) eine tödliche Herz-Kreislauf-Erkrankung vorprogrammiert.

Bei Frauen dieser Altersklasse waren die Risiken ähnlich unterschiedlich verteilt (6,4 versus 20,5 Prozent).

Nach Möglichkeit sollten begünstigende Risikofaktoren erst gar nicht enstehen

Mit 45 hatten Männer ohne jegliche Risikofaktoren lediglich ein Risiko von 1,4 Prozent, in der verbleibenden Lebenszeit an einem Herzinfarkt oder Schlaganfall zu erkranken oder zu sterben. Zwei oder mehr Risikofaktoren erhöhten dieses Risiko dagegen auf 49,5 Prozent.

Die Studienautoren erhoffen sich von diesen Zahlen eine stärkere Motivationskraft, um schon in frühen Lebensphasen die Risikokonstellation günstig zu beeinflussen.

Besser als die Strategie, bestehende Risikofaktoren zu bekämpfen (Primärprävention), ist in ihren Augen der Weg, Herzinfarkt und Schlaganfall begünstigende Risikofaktoren nach Möglichkeit erst gar nicht entstehen zu lassen.

Dem kann man nur zustimmen. Ob aus der Verdeutlichung von Lebenszeitrisiken wirklich die Kraft resultiert, ungünstige Entwicklungen zu stoppen oder umzukehren, bleibt abzuwarten.

Momentan ist jedenfalls zu beobachten, dass die Prävalenz von Risikofaktoren wie Diabetes und Übergewicht schon im jüngeren Lebensalter deutlich zunimmt.

[30.01.2012, 17:17:10]
Dr. Bruno Josef Schotters 
Risiko für Infarkttod
Das Einzige, was wir unseren Patienten in Bezug auf die Infarktwahrscheinlichkeit sagen können ist" gnoti s' auton" ich weiß, daß ich nichts weiß. Das heißt aber nicht, daß wir den Patienten hängenlassen, daß heißt auch nicht, daß seriöses wissenschaftliches Arbeiten verhindert wird. Im Gegenteil, es soll und muß weiter geforscht werden und zwar seriös und ernst und das geschieht auch! Die Genforschung läuft auf vollen Touren," per aspera ad astra", die Ergebisse fallen nicht in den Schoß. Statt Patienten mit Wahrscheinlichkeits- Vorhersagen zu verwirren und falsche Hoffnungen oder Resignation zu erzeugen gilt es, dem Patienten seriöse Ratschläge zu geben. Zu beachten: Vor die Therapie haben die Götter die Diagnose gestellt. Ist die in abgeklärt, kommt die Prävention und das heißt, der Patient selbst muß aktiviert werden. Gesunde Lebensweise (Ernährung) Sport (kein Hochleistungssport)vorwiegend im Ausdauerbereich,Hygiene!
Dieses Vorgehen hilft dem Ratsuchenden m.E. mehr als vage Wahrscheinlichkeitsvorhersagen.
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[30.01.2012, 08:45:43]
Dr. Andras Gyöngy 
Vorhersage gleich Wahrsage?
Wir sind auf der glücklichen Seite der Demokratie im Sinne der Meinungsfreiheit. Nur, Aussagen wie solche von Herrn Schotters sind gefährlich, denn sie untergraben seriöses wissenschaftliches Arbeiten. Für Nichtmediziner ein gefundenes Fressen... Für die Allgemeinbevölkerung verwirrend, schädigend. zum Beitrag »
[28.01.2012, 17:35:42]
Norbert Braun 
Wahrscheinlichkeiten sind keine Vorhersagen
hier wurdeb keine Vorhersagen gemacht sondern Wahrscheinlichkeiten berechnet. Wie jeder weiß, sind Wahrscheinlichkeiten auf den Einzelfall bezogen irrelevant. Natürlich werden Menschen vom Blitz erschlagen, natürlich gewinnen Menschen im Lotto auch wenn die Wahrscheinlichkeiten extrem niedrig sind. D.h der so gesund lebende Arzt gehört einfach zu den 4.7% die trotz allem einen Herzinfarkt erleiden.
Daran wird auch eine Studie über genetische Faktoren nichts ändern, für eine Vorhersage bräuchten Sie dann schon 100%.

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[28.01.2012, 17:31:43]
Karl-Georg Vaith 
Risiko Infarkt- und Infarkttod.....
Da kann ich Herrn Schotters in seiner Meinung nur unterstützen.

Auch wenn ich gesund lebe und Sport treibe, ist dies kein Freibrief auf bestimmte H/K Krankheiten.
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[28.01.2012, 13:30:43]
Dr. Bruno Josef Schotters 
Risiko für Infarkttod
Den Infarkttod auf Grund irgendwelcher Scores vorherzusagen ist das gleiche wie einen Wahrsager oder ein Horoskop zu befragen. Das Einzige was eine Vorhersage ermöglicht, wäre die Erforschung der genetischen Konstellation. So wie es Raucher gibt, die seit dem 15. Lebensjahr "Kettenrauchen" und nie unter broncho-pulmonalen Erkrankungen zu leiden haben. Genau so findet man Übergewichtige mit normalem Lipid-und Glukosestoffwechsel. Primärprävention beginnend mit dem Tag der Geburt? Wie soll das gehen? Statt Kindergarten Sportschule, Abschaffung der Schulzensuren, nur noch streßfreie Berufe mit garantiertem Mittagsschlaf und Einlagen sportlicher Aktivität während der Arbeitszeit? Kasuistik: 65 jähriger Mann, Beruf Arzt, Lipid- und Glukosestoffwechsel normal, Normotonie, Körpergröße 177cm Gewicht 70kg, Ausdauersportler seit dem 30. Lebensjahr , max. O2-Aufnahme/min/kg 48, Bauchumfang 78 erleidet während Rennradtrainings einen Infarkt. Coronarangiographisch VW-Infakt, Stenting, nach 3 Monaten Stentstenose (prä, intra,post), OP fünfachbypass!
Was brachte da die Primärprävention, was brachten da die Scores?
Wenn Vorhersagen, dann nur über genetische Untersuchungen.
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